Filmtipp: Die Addams Family in verrückter Tradition

Die Addams Family in verrückter Tradition (1993);© Paramount Home Entertainment; DVD Cover von 2004

Hallo allerseits,

heute komme ich mit einem Filmtipp zurück, von dem die meisten sicher schon gehört haben. Ich spreche von der Addams Family in verrückter Tradition. Der Film erschien 1993 und hat laut meiner DVD eine 90 minütige Länge.

Jetzt wo wir im Herbst angekommen ist, ist der Film für viele ein Muss und das kommt nicht von Ungefähr. Die Addams Familie ist dafür bekannt, ein wenig spooky und seltsam zu sein, doch dabei immer wieder viel Humor und Herz zu zeigen. Das Licht der Welt erblickte die Familie als Comicstrip in der Zeitung The New Yorker und seitdem haben wir bereits eine Menge verschiedener TV und Film Variationen der Familie kennengelernt. Von der Familienserie in den 60ern (dafür gebe ich ebenfalls eine Empfehlung ab, die Serie ist wirklich toll), über die Cartoon-Serie der 70er, zu den beliebten Filmen der 90er, bis hin zu den animierten Filmen (von denen 2021 der letzte erschien) und schließlich zur neuen Netflix-Serie Wednesday, die dieses Jahr erscheinen soll, bekommen wir in schöner Regelmäßigkeit neue Variationen der beliebten Familie gezeigt. Die Addams sind seit über 80 Jahren allgegenwärtig und erfreuen sich immer noch einer großen Beliebtheit. Das muss man erst einmal schaffen.

Die Handlung

Die Addams Familie in verrückter Tradition kam 1993 in die Kinos und war der Nachfolger des 1991 herauskommenden ersten Teils. Die Handlung ist einfach erklärt. Es steht Nachwuchs an im Addams Haushalt, was dazu führt, dass Morticia und Gomez Debbie, die Nanny, einstellen. Onkel Fester ist gleich hin und weg von ihr. Doch die Nanny stellt sich als schwarze Witwe heraus, die Fester tot sehen möchte, um an sein Erbe zu gelangen.

Weil Wednesday Debbie durchschaut, sorgt diese dafür, dass sie und ihr Bruder Pugsley in ein Sommercamp geschickt werden – der größte Albtraum der beiden Addams Sprösslinge.

Die Stärken des Films

Allein die Hauptrollen sprechen Bände, denn der Hauptcast ist besetzt mit Hochkarätern wie Anjelica Huston, Raúl Juliá, Christina Ricci, Christopher Lloyd und Joan Cusack. Das Niveau des Films ist hoch, denn der gesamte Cast schafft es, ihre Charaktere mit voller Hingabe zu spielen. Man nimmt Huston und Juliá die Rollen von Morticia und Gomez und deren leidenschaftlicher Beziehung komplett ab und ja, viele werden die beiden als großes Vorbild nehmen, wenn es darum geht, die perfekte Ehe zu beschreiben. Die beiden haben eine unglaubliche Chemie miteinander, was einer der ganz großen Stärken des Films ist.

Auch Christopher Lloyd als Onkel Fester ist eine perfekte Wahl. Als liebevoller, doch naiver Onkel spielt er sich in alle Zuschauerherzen. Dazu ist die Bruderbeziehung zwischen ihm und Gomez herzallerliebst mitanzusehen und es ist tragisch, wie sehr Gomez unter der Trennung zu Fester leidet.

Ebenso liebe ich Christina Ricci als Wednesday. Bereits im ersten Film konnte man sehen, wie sehr sie in der Rolle aufgeht, doch ihr zweiter Auftritt als Wednesday macht noch mehr Spaß. Es ist erstaunlich, wie gut Ricci in einem so jungen Alter eine solch überzeugende Darstellung zeigt. Ich habe viele Filme mit Ricci gesehen, aber als Wedneday hat sie sich ganz besonders in meinem Hirn eingebrannt. Sie ist morbide, sarkastisch und zeigt doch hin und wieder Verletzlichkeit. Es ist kein Wunder, dass diese Figur so beliebt ist. Wie bereits im ersten Film, erkennt sie auch hier als erstes, das etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, weswegen Debbie sie natürlich loswerden möchte. Und als sie, zusammen mit ihrem Bruder Pugsley, ins Ferienlager geschickt wird, und damit ihr größter Albtraum wahr wird, ist es vor allem  ihrer Rolle geschuldet, dass gerade die Campszenen bis heute für mich am denkwürdigsten geblieben sind. Der krasse Gegensatz zwischen der morbiden und introvertierten Art der Addams Kinder und der übertrieben freundlich, extrovertierten Campwelt bringt uns Zuschauern eine Menge Spaß. In jedem anderen Film würde man die Addams Kinder als die Antagonisten sehen, die den anderen Kindern den Spaß verderben wollen, aber hier fiebern wie mit Wednesday und Pugsley und hoffen, dass sie es am Ende allen zeigen. Ganz besonders das Thanksgiving-Theaterstück  ist zum Schreien komisch.

Szenenbesprechung

Der Schöpfer der Addams Family Charles Addams, wollte mit der Addams Family das Gegenteil der perfekten, amerikanischen Family darstellen. In diesem Film gibt es eine Szene, in der ich finde, wird dieser krasse Kontrast

Die Addams Family in verrückter Tradition; ©Paramount Home Entertainment; 1993, Christina Ricci als Wednesday

ganz besonders herausgestellt. Ich spreche von der ersten Sommercamp-Szene.

Wednesday und Pugsley werden von ihren Eltern ins Sommercamp gebracht und sofort erkennt man hier den krassen Gegensatz der dunkel und schräg gekleideten Addams mit allen anderen sommerlich hell gekleideten Campbesuchern. Nicht nur, dass die Addams die Natur und die Fröhlichkeit der anderen Leute um sie herum befremdlich finden, oh nein, wir werden ebenso Zeuge, wie sie Bekanntschaft mit dem Prototyp der amerikanischen Vorzeigefamilie machen. Ich spreche von Amanda Buckman (Mercedes McNab) und ihren Eltern.

Die Buckmans stellen ganz von Beginn klar, wie reich sie seien und wie talentiert ihre Tochter sei. Mit dem Sommerkleid, den blonden Haaren und der Höflichkeit soll sie das perfekte amerikanische Mädchen darstellen und steht so im kompletten Kontrast zu Wednesday. Während Wednesday Witze über Mord und Todschlag macht, lächelt und grinst Amanda fröhlich, genau wie die Gesellschaft es von einem braven Mädchen haben möchte. Während die introvertierte Wednesday spaßeshalber an einer Flasche mit Giftschriftzug nippt, scheint Amanda Spaß daran zu haben, unter gleichaltrigen zu sein. Auch hier steht Wednesday eher alleine da. Von Kindern ihres Alters erwartet man, möglichst viel mit Freunden zu unternehmen und sich problemlos in Gruppengefüge anzupassen. Wenn man dies nicht kann, wird man zum Außenseiter und damit gilt man als unperfekt.

Und doch, trotz aller Mühe, sieht man schnell hinter die aufgesetzte Fassade der Buckmans. Es wird deutlich, dass sich hinter ihrer Freundlichkeit eher Arroganz steckt und das die Addams, egal wie schräg und gespenstig sie aussehen mögen, viel authentischer und freundlicher herüberkommen. Die Addams in all ihrer Verrücktheit tolerieren den vermeintlichen Wunsch der Kinder, in ein Sommercamp zu wollen, obwohl sie selbst wenig damit anfangen können, derweil man das Gefühl vermittelt bekommt, dass Amandas Wünsche vielleicht weniger zuhause toleriert werden würde, wenn sie gegen die Einstellung der Eltern wäre. Amanda ist vielleicht äußerlich freundlich, doch sie kann auch gemein sein und besitzt ein paar sehr egoistische Züge. Wednesday, auf der anderen Seite, hat kein Problem damit, ein Außenseiter zu sein, kümmert sich um Pugsley und Joel und macht sich weiterhin Sorgen um ihren Onkel. Vielleicht ist die Addams Family nicht perfekt, aber sie kümmert sich umeinander und sie ist fair zu anderen.

In dieser Szene macht Wednesday auch zum ersten Mal mit Joel Bekanntschaft. Im Laufe der Campzeit fangen beide an, füreinander zu schwärmen. Am Ende gleicht Joel immer mehr Gomez, und es wird ein wenig der Eindruck vermittelt, dass sich hier die nächste Addams Generation anbahnen könnte. Ich weiß nicht, wie viele die 60er Jahre Serie gesehen haben, aber es gibt eine Doppelfolge der Addams, in der das Kennenlernen von Morticia und Gomez gezeigt wird. Und Prä- Morticia-Gomez erinnert mich ein wenig an Joels anfängliche Darstellung. In dieser Folge war Gomez schüchterner und hatte kein gutes Durchsetzungsvermögen, dazu war er leicht hypochondrisch veranlagt. Ich weiß nicht, ob man Joel vielleicht extra in diese Richtung schrieb, als eine Art Hommage, aber es wäre nett, falls dem so sei. Auf jeden Fall muss ich jetzt immer daran denken.

Fazit

Ich würde jedem den Film ans Herz legen, falls man ihn noch nicht gesehen hat.  Er ist witzig und herzlich und selbst für diejenigen geeignet, die sonst keine gruseligen Filme mögen. Es ist vielleicht die Fortsetzung zum 1991er Addams Film, dennoch kann man den Film verstehen, ohne den Vorgänger gesehen zu haben. Ich persönlich  finde das Sequel sogar deutlich besser, als den ersten Film. Die Schauspieler – ob nun Hauptdarsteller oder Nebendarsteller, sind allesamt überzeugend und die Handlung unterhält einen die gesamte Zeit. Für mich ist es kein Wunder, dass der Film heute als Kult gilt.

Hier könnt ihr euch einen Trailer ansehen:

Wo schauen?

Wer den Film jetzt unbedingt schauen möchte, hat natürlich die Möglichkeit, Blurays oder DVDs zu kaufen. Und falls jemand den Film lieber streamen will, findet auf der offiziellen Paramount Homepage die Möglichkeit, alle aktuellen Streaminganbieter zu finden: Die Addam’s Family in verrückter Tradition (paramount.de)

Insofern, bis zum nächsten Mal…


Der Artikel spiegelt meine eigene Meinung wider. Alle Angaben sind ohne Gewähr.