Ranking: Scream Openings

Copyright: Pola Swanson

Hallo allerseits!

Diese Woche wollte ich etwas neues ausprobieren. Eigentlich hatte ich überlegt, ein Episoden-Ranking zu machen, aber ich dachte mir, ich fange mit einem Film – oder besser gesagt, mit einem Filmfranchise an, auch da meine andere Idee mit Feiertagen zu tun hatte und das vielleicht noch etwas früh ist.

Heute geht es daher um die „Scream“ Openings. Anders ausgedrückt: Ich möchte die Anfangssequenzen in den bislang 5 erschienenen „Scream“-Filmen bewerten. Welches hat mir am besten gefallen? Bei welchem hätte man noch etwas nachbessern können? Finden wir es heraus und fangen wir an!

Platz 5

Scream 3

Ich habe lange zwischen zwei Openings hin und her gegrübelt und mich letzten Endes für diesen Film entschieden. Ich weiß, dass „Scream 3“ mit vielen Problemen zu kämpfen hatte. Während Kevin Williamson die ersten beide Teile schrieb, so schien man beim 3. Teil nicht auf einen grünen Pfad zu kommen und er schied dementsprechend aus dem Franchise aus. Dazu kam, dass Horrorfilme, durch den Schulamoklauf in Columbine, plötzlich mit anderen Augen gesehen wurden. Man gab den Gewaltdarstellungen in Film und TV die Mitschuld an der schrecklichen Tragödie, sodass man ein wenig weg von der Gewalt rücken wollte aus Angst, dass man sonst Ärger bekäme. „Scream 3“ ist deshalb deutlich komödiantischer angelegt als der Rest der Filme. Theoretisch sollte „Scream 3“ der letzte Teil eine Trilogie werden. Daher erklärt uns „Randy“ auch die Regeln einer Trilogie und nicht etwa die eines weiteren Sequels.  Aber wie es nun mal so in Hollywood ist, wird es erst ein Ende geben, wenn die Kinokassen nicht mehr klingeln.

Was die Opening-Sequenz betrifft, so muss ich sagen, gefiel sie mir am wenigsten – auch in Hinblick auf den Rest des Filmes. Wie im ersten Film, starten wir die Geschichte mit einem Anruf. Diesmal trifft es Cotton Weary. Wir kennen Cotton aus den ersten beiden Filmen und mir persönlich war er nie wirklich sympathisch, trotzdem gehörte er irgendwie zu dem Film dazu. Er ist mittlerweile ein gefeierter Fernsehstar und zunächst glaubt er, er würde mit einem Fan sprechen, der sich verwählt hätte. Zu spät wird ihm klar, dass Ghostface es auf ihn abgesehen hat. Dieser droht, seine Freundin umzubringen, sofern er ihm nicht Sidney Prescotts Aufenthaltsort verrät. Es kommt wie es kommen muss und Ghostface schafft es tatsächlich, Zugang zu Cottons Wohnung zu bekommen. Dort jagt er nicht nur Cottons Freundin durchs Haus und tötet sie, auch Cotton wird am Ende der Sequenz von Ghostface ermordet und scheidet damit aus der „Scream“ Welt aus.

Was mich an dem Opening störte, war gar nicht speziell das Opening an sich. Das Problem war, dass die Anfangssequenzen in Teil 1 und 2 einfach unbeschreiblich gut waren und ich mir vielleicht eine etwas andere Idee gewünscht hätte. Cotton ist ein TV-Star. Wäre es nicht cooler gewesen, wenn der Drohanruf Live im Fernsehen erschienen wäre? Das hätte gleich ein wenig mehr Spannung gebracht, vor allem, wenn niemand den Anruf ernst genommen hätte – außer Cotton. Auch der Voicechanger wäre hier besser eingesetzt gewesen, da Ghostface sich mit der Stimme von Cottons Freundin, Cotton selbst oder einem anderen bekannten Namen hätte schmücken können.

Die Spannung in den ersten beiden Filmen war dauerhaft vorhanden und man fieberte mit den Charakteren mit. Hier ging es mir nicht unbedingt so. Ich weiß, Cottons Tod sollte zeigen, dass in diesem Teil alles möglich ist – ähnlich wie bei Drew Barrymore. Ebenso sollte die Einführung des Voice Changers zeigen, dass jeder unserer liebgewonnenen Charaktere jetzt einen Anruf tätigen könnte – ergo haben wir keine Sicherheit mehr, was wir wem glauben und welcher Anruf nun echt ist.

Ich nehme an, die Nutzung des Voice Changers, in der Szene als man Cottons Freundin verwirrte, wer jetzt genau vor der Tür stand, sollte den Zuschauer  ebenso verwirren und glauben lassen, Cotton wäre vielleicht wirklich irgendwie involviert (er hätte das Telefonat z.B. aufzeichnen können um später ein Alibi zu haben).  Cotton war schließlich nie ein wirklich sympathischer Charakter, man konnte annehmen, dass er die Seiten wechselte, nur um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. Und den „vermeintlich“ ersten Mörder in der Anfangssequenz zu zeigen, wäre etwas Neues gewesen, was ebenso neue Regeln ins Spiel brächte – was letzten Endes aber nicht getan wurde, denn Cotton ist unschuldig und wird – genau wie seine Freundin – ermordet.

So oder so ich würde den Opener im dritten Teil als mau bezeichnen.  Es kam für mich die komplette Zeit überhaupt keine wirkliche Spannung auf und im Grunde konnte man schon sehen, wohin die ganze Geschichte führte, als Cotton den Anruf bekam. Sein Tod tat mir zwar leid, schließlich begleiteten wir Cottons Geschichte bereits seit dem ersten Teil. Dennoch kann man das Opening auf keinen Fall mit den zwei vorherigen vergleichen.

Dazu finde ich den Voice Changer vielleicht nicht so schlimm wie der Rest der Fangemeinschaft, dennoch ist er unrealistisch und wird dafür aber auch nicht gut genug in Szene gesetzt.  Im Gegensatz zu den vorangegangenen Openings war ich etwas enttäuscht. Es hatte sich irgendwie nach einer Routine angefühlt, fast lustlos und nicht mehr nach etwas besonderem wie in den Teilen zuvor. Die Frustration, dass man den Film durch die äußeren Umstände nicht so gestalten konnte, wie man wollte, spürt man meines Erachtens durch die Kameralinse.

Platz 4

Scream 4

Ich sage es einfach mal klar heraus: Ich bin kein Fan von Scream 4. Vielleicht habe ich mich in den vergangenen Jahren etwas mehr mit dem Film angefreundet, trotzdem würde ich ihn immer noch auf den letzten Platz in meinem Gesamt-Ranking setzen. Sogar vor 3. Auch wenn 3 eine Menge Fehler hat, so ist der Film okay, wenn man ihn innerhalb der Trilogie sieht. Im vierten Teil hingegen gibt es viele Dinge, die ich nicht mag und über die ich nur schwer hinwegsehen kann. Ich möchte nicht direkt ins Detail gehen, weil der Beitrag sonst zu lang wird, aber vielleicht schreibe ich mal einen eigenen Artikel darüber. Fakt ist, der Film hatte es von Anfang an nicht leicht, es mit seinen Vorgängern aufzunehmen. Auch, weil die Ursprungsfilme als Trilogie geplant waren. Die Geschichte war „theoretisch“ abgedreht, sie hatte einen Anfang, Mitte und Schluss. Jetzt mit etwas Neuem zu kommen, ist immer kompliziert. Als eigenständiger Film fände ich ihn vielleicht gar nicht so schlecht, aber als Teil des „Scream“-Franchises gefällt er mir eben nicht wirklich.

Warum ich den viertel Teil bei diesem Thema nicht auf den letzten Platz setze, ist einfach: Für  „Scream 4“ hat man sich ein paar Gedanken gemacht und die Opening-Sequenz ein wenig kreativer gestaltet, als beim  Vorgänger. Glauben wir zunächst, einen ähnlichen Anfang wie in jedem Teil zu schauen – jemand kriegt einen Anruf und Ghostface kommt zum Jagdvergnügen –  so wird uns rasch verraten, dass die ersten Morde lediglich „Film in Film“ Sequenzen sind. Hier sollte uns weisgemacht werden, dass die Opener des fiktiven „Stab“ real sind, bis wir mit der Einblendung der Title Card eines besseren belehrt werden.

Die erste Szene gefiel mir sehr gut, doch auf die zweite hätte ich verzichten können. Die Szene allein fand ich bereits ein wenig schal, aber auch weil ich der Meinung war, dass ein Streich wirklich ausreichte und mir nach dem zweiten „Fake“ Opening schon ein wenig die Lust fehlte. Nichtsdestotrotz gefielen mir die beiden „Fake“ Sequenzen unterm Strich viel mehr, als das eigentliche Opening und das ist sehr schade.

In den ersten paar Szenen der „realen“ Sequenz fragt man sich nach zwei falschen Anfängen unweigerlich, ob dies nun tatsächlich das richtige Opening ist oder am Ende- ob es das auch war oder nun ein viertes nachgereicht wird. Durch die beiden Fake-Sequenzen hatte die Spannung bereits deutlich abgenommen. Deshalb war es für mich etwas schwer, die Szene dann auch richtig nachzuverfolgen, weil ich nicht unbedingt davon ausgehen konnte, es diesmal mit dem richtigen Anfang zu tun zu haben. Ich hatte schier die Lust daran verloren, jetzt schon wieder eine ähnliche Szene zum dritten mal zu sehen. Genau wie ich es mir in Teil 3  wünschte, hätte ich mir auch hier ein eher unerwartetes Opening gewünscht. Z. B. Ein radikaler Schnitt in der „realen“ Sequenz zu einer komplett anderen Location, als dem Filmeabend in einem netten Häuschen. Aber nein, wieder lief alles nach dem bekannten Schema, was man mittlerweile gewohnt war. Nebenher waren die Charaktere wenig erinnerungswürdig – ich erinnere mich tatsächlich mehr an die „Fake“ Charaktere als an die beiden „echten“ Mädchen. Was schade ist, gerade weil die Anfangssequenzen ein wichtiger Faktor im Franchise sind. Tatsächlich bleibt mir nach jedem Schauen der Anfang am wenigsten in Erinnerung. Und leider finde ich selbst den alternativen Anfang auf den DVD Extras deutlich besser, als den der offiziell ausgesucht wurde.

Eigentlich rettet die Opening Szene und damit auch die Platzierung nur die Tatsache, dass man am Anfang schön an der Nase herumgeführt wurde. Es war nett, ein wenig mehr über das „Stab“ Universum und seine Filme zu erfahren. Doch ohne die erste „Fake“ Sequenz wäre dieser Opener auf jeden Fall auf dem letzten Platz gelandet und tatsächlich denke ich beim schreiben auch immer noch darüber nach, ob ich beide Plätze nicht noch einmal umdrehen sollte.

Platz 3

Scream 5

Auch  wenn Scream 5 an seinem Anfang nicht besonders viel ändert – ein Mädchen kriegt einen Anruf von Ghostface und wird daraufhin mit dem Tode bedroht – gefiel mir das Opening des aktuellsten Films doch ganz gut. Erstens mochte ich die Hommage an den ersten Film. Tara wird als neue Casey Becker vorgestellt. Sie kriegt einen Anruf, bei dem sie zunächst glaubt, mit einem Bekannten ihrer Mutter zu sprechen. Sie fühlt sich sicher, glaubt, sie habe die Oberhand, bis sie merkt, dass Ghostface hinter dem Anruf steckt. Nachdem er droht, ihre beste Freundin zu töten, stimmt sie zu, eine Horrorfragerunde zum Thema „Stab“ zu machen, obwohl sie diese Art von Horrorfilm überhaupt nicht interessiert. Tara ist schlau, benutzt ihr Handy, um die Antworten zu erfahren und gewinnt ihr Runde. Ihre Freundin wird zwar in Ruhe gelassen, Tara selbst wird von Ghostface angegriffen.

Doch auch wenn der Zuschauer denkt, dass es nun Zeit ist, Lebewohl zu Tara zu sagen – überlebt sie den Angriff! Etwas vollkommen neues, in unserem allseits geliebten Franchise.

Mir gefiel der Charakter Tara von Anfang an. Ich finde, dass Jenna Ortega eine wahnsinnig gute Leistung abgegeben hat. Ich habe von Beginn an mit ihr gefiebert, habe ihr die Angst total abgekauft. Ich fand es gut, dass sie ihr Handy benutzt hat, um zu überleben und dass sie auch um ihr Leben gekämpft hat – und nicht wie es oftmals in den Openings ist, dass die Opfer mehr oder weniger einfach nur weglaufen oder sich umbringen lassen. Opener sind für solche Szenen da – dass wir den ersten Mord des Filmes sehen und Lust auf den Film kriegen. Und das hat der aktuellste Anfang auf jeden Fall.

Ich mag den Twist, dass Tara überlebt. Und vor allem mag ich, dass man die Rolle später ausgebaut hat. Tara ist nicht abgehauen und in eine andere Stadt gezogen, wie man es sonst vielleicht schreiben würde. Sie wurde als neuer Hauptcharakter eingeführt, obwohl ihre Screen-Zeit leider etwas knapp ausfiel – was aber auch einen verständlichen Hintergrund hat. Und doch, am Ende überzeugt sie mit ihrer Darstellung genau wie am Anfang.

Der Grund, warum ich den Film auf den 3. Platz setzte, ist, dass hier gleich am Anfang neue Regeln eingeführt wurden. Das Opfer überlebt, das ist zwangsweise eine Änderung der Horrorfilmregeln. Außerdem ist sie keine „Damsel in Distress“ sondern von Anfang an sehr darauf konzentriert, das richtige zu tun, obwohl Ghostface immer einen Schritt weiter zu sein scheint. Dazu mochte ich die Verweise auf Stab und die „wahren“ Hintergründe des „Stab“ Franchises. (Ich war sehr stolz auf mich, als ich im Kino alle Ghostface-Fragen dazu beantworten konnte :D) Der Film hat außerdem die moderne Technik von heute gut in die Anfangssequenz eingebaut – auch wenn wir in einigen Jahren wieder sagen werden, wie veraltet das ganze System ist. Am Ende wird natürlich klarer, wie der Mörder an die Passwörter kam, wodurch er so einfach über die Apps ins Haus gelangte. Aber es gefiel mir, dass sie keine Kontrolle mehr über das Sicherheitssystem hatte, denn das zeigt – genau wie im ersten Teil – dass man sich in einem Horrorfilm immer nur auf sich selbst verlassen kann. Das Opening hat mir ganz klar Lust auf den Film gemacht – anders als bei den zwei vorangegangenen Teilen.

Was jetzt fehlt, sind nur noch Teil 1 und 2. Und diese sind  … warte, es kommt gleich … legendär.

Platz 2

Scream 2

Der Opener von „Scream 2“ gehört zu meinen Lieblingsanfangssequenzen in Horrorfilmen. Er ist anders, als der aus dem Originalfilm und doch schafft er es genauso einprägsam wie der erste zu sein. Etwas, was ungewöhnlich bei Sequels ist und deshalb sofort zeigt, warum Wes Craven und Kevin Williamson ihre Arbeit verstehen.

„Scream“ spielt gerne mit Hommagen. Während wir im ersten Teil eine Hommage an „Das Grauen kommt um 10“ und „Black Christmas“ erkennen, würde ich schätzen, dass man im 2. Teil nicht nur einen Salut an William Castle und seine Karriere setzte (Castle war z.B. dafür bekannt, kleinere dem Publikum kleinere „Streiche“ bei seinen Filmpremieren zu spielen), sondern auch Filme wie z.B. „Popcorn“ ehren könnte.

Wir befinden uns in einem Kino. Ein junges Pärchen (Maureen und Phil) möchte die Premiere des ersten „Stab“ Films schauen.  Natürlich wissen wir schon jetzt, sie werden den Film nicht lebend verlassen. Denn Ghostface bringt beide um, noch bevor der „Stab-Opener“ vorbei ist.

Maureens Tod ist hier ganz besonders herausstechend. Von Anfang an ist sie unzufrieden, sich einen Horrorfilm anzusehen und möchte lieber in eine romantische Komödie . Doch Phil überredet sie, „Stab“ eine Chance zu geben. Maureens Sorgen stellten sich als begründet heraus. Denn nachdem Phil auf der Männertoilette ermordet wird, zieht Ghostface seine Jacke an und setzt sich neben sie. Diese erkennt zu spät, dass ihr Sitznachbar nicht Phil ist, als sie Blut an seiner Jacke entdeckt. Sie kann nicht einmal mehr wirklich reagieren, da sticht Ghostface schon auf sie ein. Maureen kann sich bis zur Leinwand retten, wo sie ihren Verletzungen schließlich vor den schreckgeweiteten Augen aller Zuschauer erliegt.

In dieser Sequenz gibt es so viele gute Aspekte. Fangen wir mit dem Anfang an. Kinozuschauer von damals mussten sich einfach unwohl gefühlt haben, als sie selbst im dunklen Kino saßen und plötzlich mit ansahen, wie jemand im Kinosaal ermordet wurde, ohne dass dies überhaupt jemandem im Saal auffiel. Ich will nicht wissen, wie viele sich in dem Moment umgesehen haben, ob da auch ja kein Mörder neben ihnen sitzt. Es war eine tolle Entscheidung, die Sequenz im Kino zu spielen und unterstreicht wieder den „Meta“ Gedanken, des Franchises. Erneut will das Dreamteam um Wes Craven und Kevin Willamson uns aus der Reserve locken uns Angst machen, zeigen, dass wir nirgendwo sicher sind. Weder in unserem Zuhause, noch unter einer Vielzahl an Menschen.

Die gesamte Anfangssequenz zeigt Chaos. Maureen hatte nie eine wirkliche Chance, Ghostface zu entkommen. Das Kino war rappelvoll, die Leute aufgedreht und haben nichts mitbekommen, was um sie geschah oder es als unecht betrachtet. Das Kino verschenkte an alle Gäste Ghostface-Masken und Fake-Messer. Wer hätte demnach denken können, dass unter der Maske nicht Phil saß, der sich neben Maureen setzte? Er freute sich schließlich aus dem Film und fand das Merchandise von Anfang an witzig. Selbst bei der blutigen Jacke hätte jeder Fremde annehmen können, dass es Kunstblut sei. Erst als dem Publikum bewusst wurde, dass Maureen ihnen nichts vorspielte, sie wirklich starb, veränderten sie ihre Haltung, wirkten schockiert. Vorher hätte man es durchaus auch als Scherz sehen können. Jetzt wurde es blutiger ernst.

Und auch die letzte Sequenz, Maureen stirbt in dem Moment, wo die „Stab“ Title Card erscheint, ist ikonisch. „Ihr“ Kinofilm beginnt am Ende ihres Lebens – und „unser“ Kinofilm beginnt mit derselben Szene. Dazu mochte ich es, dass man eine „echte“ Szene aus „Stab“ sieht und man den vorherigen Film so revuepassieren konnte. Es ist eine schöne Hommage an seinen eigenen Film und ein ganz besonderer Fan Service, den viele Fans bis heute wertschätzen. Nebenbei gefiel es mir sehr, wie man den wahren Schrecken der Zuschauer erkennen konnte, in dem Moment wo aus Spaß ernst wurde. Obwohl wir hier bestimmt von Statisten reden und nicht von ausgebildeten Schauspielern, die im Kinosaal herumtollen, haben sie alle ihre Sache sehr gut gemacht und man nahm den Leuten ihre rasch wechselnden Emotionen ab. Aber es war vor allem Maureens Todesschrei, der einem wirklich zu Herzen ging. Ich hatte so gehofft, dass sie lebend entkommt.

Wie gesagt, ich liebe den Opener von „Scream 2“ weil er einfach so viele tolle Aspekte zusammenbringt. Man fiebert mit den Charakteren mit und ist frustriert, weil niemand Maureen helfen kann. Die Spannung ist konstant vorhanden, man hat immer das Gefühl, dass etwas passieren muss. Irgendwie fühlt man sich unbehaglich, weil man genau weiß, dass Ghostface unter den Leuten ist, aber mit seiner Tat durchkommen wird, weil man den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen wird. Dazu gibt es den „Meta-Fan-Service“ und die tollen Hommagen an andere Filme und Filmemacher. Qualitativ gesehen ist der Opener wirklich einsame Spitze. Es gehört nicht ohne Grund zu meinen Lieblingssequenzen des gesamten Franchises und des Horrorfilmgenres.

Dennoch kann ich ihn nicht auf Platz eins setzen. Denn dieser tolle Opener wäre niemals passiert, wenn es nicht das Original gäbe.

Platz 1

Scream!

Ich glaube nicht, dass diese Auswahl überraschend kommt. Ich persönlich würde behaupten, schon als der Film Premiere feierte, galt er sofort als Klassiker. Allein die Opening Sequenz von „Scream“ veränderte die Art und Weise, wie Horrorfilme in den nächsten Jahren dargestellt würden. Eine neue Teenage-Slasher-Epoche wurde mit dem Film in die Wege geleitet und beinahe jeder Horrorfilm baute in den nächsten Jahren auf dem „Scream“-Prinzip auf. Also ja, dieser Film – ob man ihn mag oder nicht – hat ein fast verlorenes Genre zurückgeholt und uns so auch viele tolle andere Filme beschert. Also halten wir einen Moment inne und seien wir dankbar dafür.

Es gibt eine Menge guter Aspekte in der berühmten Anfangssequenz, auf die wir blicken können. Zum Beispiel, dass man einen großen Hollywoodstar castet und ihn bereits in den ersten 15 Minuten umbringt. Das zeigt sofort: Alles ist Möglich, nehmt euch in Acht!

Wie wir mittlerweile wissen, sollte Drew Barrymore aka Casey Becker ursprünglich Sidney spielen. Doch Barrymore soll darauf bestanden haben, lieber in der Anfangssequenz ermordet zu werden, um die Zuschauer so zu schockieren. Denn niemand glaubte, dass es ein Film wagen würde, den größten Star sofort umzubringen. Barrymore hatte Recht, was ihre Vermutung anging. Alle glaubten, Casey sei sicher … bis sie es nicht mehr war. Und genau deshalb wurde ihr Auftritt so ikonisch.

Ich finde, die gesamte Anfangssequenz strotzt nur so vor Spannung. Sie baut langsam auf und explodiert gen Ende förmlich.  In den ersten Minuten glaubt man, sich noch in Sicherheit zu wiegen, doch je länger der Film dauert, umso spannender wird es. Ghostfaces Katz-und-Maus-Spiel macht den Film zu etwas besonderem. Casey befindet sich zuhause, in einer Kleinstadt, sie muss sicher sein, oder? Falschgedacht. Denn das Schrecken kann dich überall finden. Ghostfaces ständige Anrufe, die von einem lustigen Plausch zum reinen Schreckensakt werden, lässt uns immer mehr mit Casey mit fiebern, wir sind auf ihrer Seite und hoffen, dass sie sicher aus der Situation herauskommt, ihr jemand zur Hilfe eilt. Zunächst denkt sie das auch. Die allgegenwärtige Meinung, der Prinz könne die Maid in Nöten retten wird hier gleich auf die Probe gestellt, denn sie droht damit, dass ihr Freund Steve ihr helfen würde. Aber auch hier wird sie enttäuscht. Ghostface macht ihr klar: Sie muss es alleine schaffen, es gibt niemanden der ihr helfen kann. Stattdessen terrorisiert er sie mit weiteren Spielchen, versucht sie mit einem Quiz zu verwirren. Verspricht ihr, sollte sie die Antworten wissen, würde sie verschont. Und auch wenn es bis dahin noch Leute gab, die bezweifelten, dass Ghostface gefährlich sei, letzten Endes werden mit dem Mord an Steve alle Zweifel ausgeräumt. Der Mörder is kein Clown , der ihr Angst machen will, er meint es todernst.

Vor allem mit dem Horrorfilmquiz wird schnell aufgezeigt, was das Franchise seitdem ausmacht: Wer etwas von Horrorfilmen versteht, der hat die größten Überlebenschancen. Und doch, die erste Regel solcher Filme lautet eigentlich immer: Auf das Wort des Mörders ist nie Verlass. Das muss auch Casey erfahren, als Ghostface eine fast unlösbare Frage stellt: Vor welcher Türe stehe ich?

Die letzten Minuten in Caseys Leben sind geprägt von schierer Panik. Und der Zuschauer spürt das durch die Kameralinse. Die Wahl, eine bereits so erfahrene Schauspielerin wie Drew Barrymore zu casten, zahlt sich definitiv aus. Sie verkauft Caseys Angst perfekt. Wir sehen deutlich, wie sie bis zuletzt dafür kämpft am Leben zu bleiben. Und es bricht uns das Herz, sie gehen zu lassen. Genauso emotional ist die Darstellung ihrer Eltern. Es ist wahrlich eine äußerst herzzerreißende Szene als die Beckers ihre tote Tochter entdecken. Seitdem ich diese Szene zum ersten Mal sah, fühlte ich mit den Beckers, denn es ist eine wahrhaft dramatische Sequenz, gerade weil wir bereits so viel in so kurzer Zeit über Casey erfuhren und sie ins Herz schlossen. Casey war nie ein oberflächlicherer Charakter, der nur für die Todesliste da war. Casey wurde menschlich geschrieben, wir konnten uns mit ihr identifizieren. Sie war nett, clever und hatte Tiefe.

Die Anfangssequenz schließt mit einem Bild, was genauso ikonisch werden würde, wie der Rest des Filmes. Denn Casey Beckers toter Körper macht uns deutlich: Hier werden die Spiele todernst genommen und sie ist nur der Anfang.

Es gibt viele Gründe, dass der erste „Scream“ Film der beste ist. Und aus meiner Meinung mache ich überhaupt keinen Hehl . Ich liebe „Scream“ aus vielen Gründen, auch, weil ich – wie wahrscheinlich viele andere auch – durch ihn in das Horrorgenre hineinkam. Ich liebe es, dass der Film sich nicht ernst nimmt, andere Horrorfilme aber schon und sie mit Respekt behandelt. Gerade weil dieses Genre so oft von oben herab betrachtet wird. Von Minute eins ist der Opener spannend, witzig, tragisch und auch informativ (z.B. lernt man etwas über Horrorfilme). Die Qualität nimmt die ganze erste viertel Stunde nicht ab und ich finde, der Opener alleine könnte schon als Kurzfilm super funktionieren. Für mich gehört er ganz klar zu einem der besten Film-Opener, selbst über das Horrorgenre hinaus.

So, das war mein Ranking, ich hoffe ihr mochtet es und hattet Spaß beim Lesen. Natürlich spiegelt es nur meine eigene Meinung wieder. Wenn ihr Lust habt, lasst mich euer eigenes Ranking in den Kommentaren wissen. Ich für meinen Teil freue mich bereits auf den 6. Teil der Serie und hoffe, im Frühjahr im Kino zu sitzen.

Insofern, bis dahin…

 

Buchtipp: Melissa Explains It All von Melissa Joan Hart

Copyright: Pola Swanson

Hallo allerseits!

Diese Woche möchte ich euch einen weiteren Buchtipp vorstellen. Und zwar die Autobiografie „Melissa Explains It All“ von Melissa Joan Hart. Meine Ausgabe stammt aus dem Jahr 2013 und wurde von der St.Martin’s Press verlegt. Das Buch ist in englischer Sprache geschrieben, eine deutsche Version gibt es leider (noch) nicht.

Ich kenne Melissa Joan Hart vor allem aus Serien wie „Clarissa“ (im engl.

Melissa Explains It All von Melissa Joan Hart; St. Martin’s Press, 2013

„Clarissa Explains It All“, daher der Buchtitel) und „Sabrina – Total Verhext“. Als Kind habe ich „Clarissa“ geliebt und mir die Serie immer angeschaut, wenn sie im Fernsehen kam. Ganz besonders mochte ich es, wenn Clarissa ihre eigenen Videospiele erfunden hat. Und das coolste überhaupt war ihr transparentes Telefon für mich. Tatsächlich habe ich mir solch ein Telefon jahrelang gewünscht und würde es auch noch heute kaufen, selbst wenn ich es wahrscheinlich nie benutzen, sondern nur irgendwo hinstellen würde.

Ähnlich gut unterhalten wurde ich bei „Sabrina“, wo Hart Sabrina Spellman spielt, eine Junghexe, die lernen muss, wie man als Hexe in der normalen Welt zurechtkommt. Die Serie basiert auf den Archie Comics und erhielt vor einigen Jahren (aber nicht als Sitcom, sondern als Drama/Horror Serie) eine Art Reboot.  In den letzten Jahren kennt man Hart aber auch aus der Serie „Melissa & Joey“, ebenfalls einer Sitcom. Diese Serie habe ich bislang noch nicht gesehen. Alle drei Serien werden jedoch im Buch benannt und Hart erzählt ein wenig über ihre Eindrücke darüber.

Das Buch kommt auf ca. 275 Seiten und ist in 18. Kapitel gegliedert. Hart erzählt von ihrer Kindheit, ihrer Familie und ihrem Werdegang.

Ich bin immer ein Fan von Biografien und auch diese fand ich äußerst lesenswert. Hart schreibt eine sehr lockere Biografie, in der man einen Blick hinter die Kulissen der 90er Jahre TV-Produktionen werfen kann und man erfährt ebenfalls ein wenig darüber, wie es sich angefühlt hat, ein Kinder- und Jugendstar zu sein. Sie beschreibt eine Menge Anekdoten über bekannte Stars wie Calista Flockhart, Ashton Kutcher und Ryan Reynolds (es gibt sogar ein paar Seiten über Britney Spears, die als Gaststar in „Sabrina“ mitmachte). Daneben scheut sie sich nicht, über eigene Erfahrungen mit Drogen zu sprechen oder ihre Beziehung zu ihrer Mutter näher zu beleuchten. Dabei finde ich, dass sie es auf eine sehr sympathische Art und Weise tut.

Natürlich gefielen mir die Kapitel über ihre Zeit bei „Clarissa“ und „Sabrina“ ganz besonders. Und doch muss ich ehrlich gestehen, hätte ich gerne ein wenig mehr über TV-Produktionen und über die Zusammenarbeit hinter der Kamera erfahren. Vor allem, da sie bei „Sabrina“ zu den Produzenten gehörte, gäbe es bestimmt noch viel mehr Hintergrundinfos, die man hätte teilen können. Und damit meine ich nicht, schmutzige Wäsche waschen, vielmehr hätte ich ein paar mehr Extras über das Making of einer Sitcom erfahren. Einfach ein paar Informationen zu erhalten, warum gewisse Entscheidungen (Cast und Skript) getroffen wurden, weshalb mögliche Spin-Offs nicht zustande kamen und und und… Schließlich gab es in der Serie eine Menge Veränderungen über die Jahre und ich habe mich des Öfteren gefragt, was dazu führte.

Aber gut, da wir von einer Biografie sprechen und nicht von einem Behind-The-Scenes-Buch, war es für mich kein Grund, das Buch wegzulegen oder es deshalb schlechter zu bewerten. Ganz im Gegenteil. Das Buch ist auf jeden Fall lesenswert, vor allem, wenn man ein Fan von Melissa Joan Hart und ihren Serien und Filmen ist. Ebenso, falls einen die Teeniestars der 90er und frühen 2000er interessieren. Es ist kein dicker Wälzer und auch keine Novelle, sodass man es gut für seinen Urlaub oder für die Weihnachtsfeiertage einpacken kann (oder wann immer man Zeit hat zu lesen 🙂 ) und unterhalten wird.

Um noch etwas zum Cover zu sagen. Ich finde es ist sehr ansprechend. Es ist fröhlich gestaltet und zeigt das, was Harts Leben zu der Zeit des Schreibens ausmachte. Sie musste ihr Leben als Mutter und Schauspielerin unter einen Hut bringen. Ihr Lächeln zeigt mir, dass sie sehr lebensfreudig ist und sie alles mit Humor zu nehmen scheint. Das Cover lädt ein, das Buch zu kaufen.

Also, wer nichts dagegen hat, das Buch in englischer Sprache zu lesen, kommt hier sicher auf seine Kosten. Mir hat es gefallen und ich empfehle es auf jeden Fall weiter.

Insofern, bis zum nächsten Mal…

 

Warum haben es Remakes heutzutage so schwer?

Copyright: Pola Swanson

Hallo allerseits!

Diese Woche möchte ich euch einen Artikel zum Thema Remakes vorstellen. Mit Remakes meine ich nicht die in den letzten Jahren in den Trend gekommenen Reboots. Der Unterschied ist leicht erklärt: Reboots holen die Mutterserie zurück – meistens mit dem alten Cast, dem gleichen Serienuniversum und auch der selben Vergangenheit. Ein gutes Beispiel ist Will & Grace. Die Serie wurde praktisch wiederaufgenommen – zusammen mit allen Darstellern der Urserie. Man hatte zwar einige Änderungen an den „Originalgeschichten“ vorgenommen (z.B. gab es Babys im Finale der 8. Staffel, die dann bei der Wiederaufnahme nicht mehr existierten), nichtsdestotrotz wurde das Serienuniversum sonst nicht groß verändert. Wir steigen praktisch da ein, wo wir aufgehört haben. Natürlich sind ein paar Jährchen vergangen, aber das ist ja nicht weiter schlimm.

Remakes hingegen bedeutet, dass die gesamte Geschichte noch einmal komplett neu erzählt wird. Ein Beispiel hier ist z.B. „Die Nacht vor der Hochzeit“ , welches einige Jahre später ein Remake unter dem Titel „Die oberen Zehntausend“ bekam. Streng genommen basieren beide Filme auf einem Theaterstück, dennoch kam der Film „Die Nacht vor der Hochzeit“ etwa 16 Jahre zuvor heraus und beide erzählen in etwa die gleiche Geschichte. Dazu ist der erste Film auch die erste filmische Adaption des Theaterstücks – soweit ich weiß.

In Remakes gibt es zwar auch oft ein paar neue Aspekte, die in die Geschichte eingebaut werden, dennoch spielt man die Grundgeschichte des Originals mehr oder minder nach. Es scheiden sich die Geister, wie viel „neues“ ein Remake beinhalten muss. Ist es zu viel, sagen die Fans, dass die Grundgeschichte vielleicht nicht genug respektiert wird. Aber wird zu wenig verändert, wird jeder sagen, dass man das Original nur kopiert und ergo niemand ein Remake braucht. Streng genommen kann ein Remake also eigentlich nur alles falsch machen.

So oder so, gerade in den letzten Jahren haben Remakes einen immer schlechteren Ruf erhalten. Die Qualität, heißt es oft, komme nie an den Originalfilm heran. Man kopiere zu viel oder zu wenig. Man wolle nur Geld machen. Andere wiederum sagen, dass Remakes auch Lust machen können, das Original wieder in den Vordergrund zu rücken. Dass man vielleicht so neue Fans erreicht, damit das Original nicht in Vergessenheit gerät.

Und doch gibt es auch Ausnahmen bei den Regeln. Denn nicht jedes Remake wird per se schlecht angenommen. „A Star Is Born“, z.B., hatte diverse Remakes (Ein Stern geht auf – Wikipedia) und dennoch gewann das letzte Remake mit Lady Gaga und Bradley Cooper einen Oscar – und das vor gar nicht allzu langer Zeit.

Grundsätzlich habe ich das Gefühl, dass es Remakes früher einfacher hatten. Bzw. Filme von damals, die heute ein Remake erhalten. Das kann nicht nur damit zu tun haben, dass Schauspieler früher talentierter waren oder man sich mehr Mühe gab. Mit dieser Logik würde heutzutage ja überhaupt kein Film mehr erfolgreich sein.

Woran kann es also liegen, das Remakes von Filmen aus den goldenen Jahren es einfacher hatten?

Nun, ich kann nicht jedes Remake vergleichen. Dennoch ist mir eine Idee gekommen, die bei dem Thema zwar nur die Oberfläche ankratzt, aber dennoch ein Grund sein kann, warum es Remakes einfacher haben, dessen Originale bereits länger zurückliegen, bzw. warum selbst Remakes aus dem Jahr 1956 heute als genauso gut wie das Original aus dem Jahr 1940 gelten.

Reisen wir kurz in die Vergangenheit. Sagen wir … wir befinden uns im Jahr 1938. Es war eine Fernsehlose Zeit. Es gab Radios, Kinos, Bücher und Zeitungen. Aber Fernsehen? Oh nein. Und von VHS, Videos und Blu-rays wollen wir gar nicht erst anfangen.

Wenn ein Film ins Kino kam, hat man ihn entweder gesehen – oder nicht. Man konnte sich nicht darauf verlassen, ob der Film jemals wiederholt werden würde. Wenn man also einen Film nicht schauen konnte, bekam man vielleicht nie mehr die Chance darauf. Anders als heute. Heute werden Filme ins Fernsehen, auf Streaming-Plattformen, Blu-rays und DVDs gebracht. Oft kriegen wir einen Film, der erst einige Jahre alt ist, fast gratis nachgeworfen. Wir haben die freie Auswahl, was unsere Filmgewohnheiten betrifft. Natürlich können wir ins Kino. Aber fehlt uns Zeit oder Geld, so ist das nicht schlimm, denn nur wenige Wochen später gibt es bereits die DVD des verpassten Films zu kaufen. Und bei einigen Filmen, wie z.B. bei „Halloween Kills“, der im 2021 erschien, konnte man neben der Kinopremiere den Film bereits gleichzeitig auf einer Streaming-Plattform schauen. Da musste man gar nicht mehr auf sein Home-Media-Vergnügen warten.

Früher war so etwas schier unmöglich und wahrscheinlich auch unvorstellbar. Deshalb war es auch nicht ungewöhnlich, dass 16 Jahre später ein Film wie „Die oberen Zehntausend“ ein vollkommen neues Kinoerlebnis gewesen sein musste und sich kaum noch einer an „Die Nacht vor der Hochzeit“ erinnerte.

Mit den Jahren veränderte sich die Technik und die Medienwelt jedoch enorm. Das Fernsehen kam auf und damit würde es in den nächsten Jahren die neue Erfindung der Wiederholungen geben. Filme, die die Menschen besonders toll fanden, würden nun mehrmals im Fernsehen gezeigt. Mit dem Aufkommen von mehr und mehr Fernsehsendern bekam man die Möglichkeit, dutzende von Sendungen, Shows und Filme unterzubringen. Die Sendezeit betrug irgendwann nicht mehr nur 12h, sondern 24h und das 7 Tage die Woche. Das hieß, man war gezwungen, das zu zeigen, was die Leute sehen wollen. Und manchmal immer und immer wieder (Ja, ich sehe dich an, „The Big Bang Theory“ 😀 ).

Dann kam ab den 80ern die Home-Video-Ära auf. VHS, DVD, Blu-ray … und später das Streaming. Gefiel uns ein Film,  kauften wir ihn. Und je älter die Home-Medien wurden, umso billiger wurde es, sie zu kaufen. Und wenn sie dann doch mal zu teuer wurden, konnte man damals in die Videotheken gehen oder heute einfach online Filme leihen oder aber sein ohnehin abonniertes Streaming-Profil benutzen, um mal in einen Film reinzuschauen, der ganz interessant klingt.

Wir sehen unsere Lieblingsfilme nicht ein oder zweimal an, sondern unzählige Male. Und selbst die Filme, die wir nicht so gut finden, haben wir vielleicht trotzdem schon mehrmals geschaut. Also ist es klar, dass wir – wenn ein Remake erscheint – diese Filme bereits in- und auswendig kennen und sie deshalb viel genauer vergleichen. Und von nostalgischen Kindheitserinnerungen, die Remakes zerstören können und weshalb Fans auch ganz schnell mal ihre Fassung verlieren, will ich gar nicht erst anfangen.

Aber was, wenn wir den Film noch nicht kennen? Nun, wenn ich höre, dass ein Remake gedreht wird und ich das Thema interessant finde, dann schaue ich gerne vorher das Original. Heutzutage findet man das Original schnell irgendwo angeboten. Ob TV, Streaming oder DVD? Alles möglich. Und vor allem billig. Manchmal kommt es auch vor, dass man zuerst das Remake schaut und es hinterher mit dem Original vergleicht. Dass Remakes im direkten Vergleich oft schlechter abschneiden ist nachvollziehbar. Entweder, weil das Remake dem Original zu ähnlich ist – oder viel zu verschieden, weshalb die Frage aufkommt, warum man den Namen des Films benutzt, wenn sie sich doch kaum ähneln. Dahinter kann mitunter nur die Cash-Grabbing-Methode stecken. Was Fans von Anfang an abschreckt.

Ich persönlich habe ein ambivalentes Verhältnis zu Remakes. Einige Remakes haben mich tatsächlich zum Originalfilm gebracht – den ich, zugegebenermaßen, dann meistens besser fand. Ich wurde also nur durch ein Remake zum Fan. Mission accomplished!

Es gibt gute Remakes, doch viele finde auch ich eher schwierig zu beurteilen. Ich würde nicht sagen, dass sie die Originale zerstören, denn wenn ich sie wirklich nicht mag, schalte ich einfach weg. Nichtsdestotrotz sind sie oft nicht notwendig. Sicher, manchmal haben sie bessere Special-Effects, aber auch das kann nicht von einer schlechten Story wegtrösten. Trotzdem glaube ich, dass Remakes der Filmwelt nicht schaden. Durch sie spricht man wieder von den Originalen. Manchmal sind es längst vergessene Filme, die dann zu Kultfilmen wachsen. Sie geben uns die Möglichkeit, diese Filme wieder wertzuschätzen und schaffen es immer, uns zu wilden Diskussionen zu verführen. Und ich glaube, das ist unterm Strich nicht das schlechteste.

Insofern, bis zum nächsten Mal…

 

 

Buchtipp: Flappers 2 Rappers von Tom Dalzell

Copyright: Pola Swanson

Hallo allerseits!

Diese Woche möchte ich euch auf ein tolles Buch aufmerksam machen, das ich damals entdeckt habe, als ich Flapper – Das Leben der Theda McGuffin schrieb: Flappers 2 Rappers – American Youth Slang von Tom Dalzell. Ich selbst habe das Buch in der Ausgabe von Dover Publications, das im Jahr 2010 veröffentlicht wurde. Leider gibt es von dem Buch keine deutsche Ausgabe, dennoch ist es lesenswert und ich glaube, man kann es auch mit normalem Schulenglisch verstehen.

Flappers 2 Rappers; Tom Dalzell; Dover Publications, 2010

Wir sprechen hier nicht von einem Roman, sondern von einem Sachbuch, in dem Tom Dalzell den Jugendslang in Amerika von den 1850ern bis ins 21. Jahrhundert erklärt.

Ich mochte das Buch besonders, weil Dalzell nicht nur Wörter und deren „Übersetzung“ angibt, sondern auch mit Hintergrundinformationen und Erklärungen dient. Man bekommt einen guten Überblick darüber, woher der Slang überhaupt stammt und wie der Lifestyle in den jeweiligen Dekaden diese Wörter hervorgebracht haben. Die Informationen sind kurz und dienen als Überblick, aber genau das mochte ich daran, weil das Buch so nicht überladen wirkt. Die Kapitel haben eine etwas längere Einleitung, was aber vollkommen passend ist und einen schön in die neue „Zeit“ hineinbringt.

Der Großteil des Buchs ist wie eine Art Wörterbuch aufgebaut, in dem man schnell recherchieren kann, welche Slangwörter was bedeuten. Man wird von der Anzahl der Wörter nicht erschlagen, sondern sie liefern einen schönen Überblick der gängigsten Slangtermina. Und wenn man selbst nach einem Wort sucht, aber nicht wirklich die Dekade weiß, gibt es hinten einen Index, der einen auf die richtige Seite führt (das ist leider nicht in allen Sachbüchern der Fall, was bei Recherchen ein wenig langatmig sein kann. Insbesondere, wenn man nur nach einer einzelnen Info sucht, weshalb ich ein großer Fan von Indexen in Sachbüchern bin).

Und noch ein letztes zum Cover. Das Cover zeigt den Titel des Buches deutlich. Wir sehen einen Flapper im Hintergrund und einen Rapper im Vordergrund. Bildlich steht das also für „From Flappers 2 Rappers“ 🙂 Die Idee dahinter ist nett und auch dass einige der beschriebenen Wörter im Hintergrund zu sehen sind, gefällt mir. Man bekommt mit dem Cover ganz direkt gesagt, worum es in dem Buch geht – selbst ohne den Klappentext zu lesen. Und das ist immer von Vorteil.

Wie gesagt, ich würde das Buch jedem empfehlen, der  in seinen Wortschatz – oder in seinen Büchern – ein paar englische Slangwörter unterbringen möchte. Oder wer einfach so Interesse an dem Thema hegt.

Insofern, bis zum nächsten Mal …

 

 

That’s what she said vs. How you doing? – Können The Office und Friends verglichen werden?

Copyright: Pola Swanson

Hallo allerseits,

dieses Mal bin ich zurück mit der Frage: Können The Office und Friends fair verglichen werden? In den letzten Jahren sieht man immer mal wieder, wie sich die Fans von The Office mit denen von Friends streiten. Das ist nicht neu, denn Friends-Fans und Seinfeld-Fans stritten sich in den 90er Jahren um gleiche Themen. Natürlich beanspruchen die Fans, das ihre Serie die einzig richtige ist, was Witz, Cast und Geschichten angeht. Währenddessen diejenige, die beide Serien mögen sich zurücklehnen und … nun … mehr Spaß und weniger Streit im Leben haben. Ist doch auch mal was.

Aber ist das eigentlich so einfach festzustellen? Kann man Friends und The Office tatsächlich vergleichen?

Meine Meinung? Eher nein.

Warum ist das so? Nun, beginnen wir am Anfang und finden es heraus.

Allein das Genre der beiden Serien ist komplett verschieden, auch wenn man dies nicht auf den ersten Blick nicht meinen mag. The Office ist eine Comedy Sendung. Das heißt, es gibt keinen eingespielten Laugh-Track, die Sendung wird nicht vor Publikum gespielt. Auch die Kulissen sind ein wenig freier aufgebaut. Anders als bei Sitcoms die vordergründig immer auf Bühnen zu finden sind – gerade wegen den Zuschauern. Friends ist eine Sitcom, die alle der oben genannten Merkmale aufweist. The Office hat eine Menge verschiedener Kulissen, diverse Innen- und Außenaufnahmen. Ein großer Vorteil, meines Erachtens, um so eine „realere“ Atmosphäre zu schaffen. Nichtsdestotrotz machen diese fehlenden Eigenschaften eine Sitcom nicht unbedingt schlechter.

Dazu  – und das muss man ganz nach oben stellen, weil das eigentlich der größte Unterschied ist –  gehört The Office zu den Mockumentery-Serien. Das heißt, es wird so getan, als sähe man eine Dokumentation eines – im Falle von The Office – Büros. Man verfolgt die Leute, die im Büro arbeiten und daher auch jedem, der ins Büro kommt oder mit ihnen zu tun hat. Friends hingegen soll das „wahre“ Leben darstellen. Man soll glauben, man schaue den Darstellern zu, wie sie ihr Leben leben, während es ziemlich deutlich gemacht wird, dass wir bei The Office nur die Ausschnitte sehen, die die „Kamera“ uns zeigt. Genau aus diesem Grund sieht man z.B. auch nicht jedes Mal, wenn Pam und Jim einen Wochenendausflug machen. Aber man sieht sie am „Montag“ den Redakteuren im Interview darüber berichten (und auch wenn es solche Episoden gibt, dann begleitet die Kamera die Protagonisten aus irgendwelchen Gründen).

Ein weiterer Unterschied ist für mich der Inhalt beider Sendungen. Bei Friends dreht sich alles um die Freundesclique, die in ihren 20ern und 30ern das Leben erkunden. Es gibt Nebencharaktere, dennoch wird der Hauptcast die gesamte Zeit eng beieinander gehalten. Es gibt keine Ausstiege, Recasts, niemand der hinzukommt. Die sechs Freunde bleiben von Anfang bis Ende, ohne Ausnahme. Ihre Geschichten drehen sich um die zwischenmenschlichen Beziehungen untereinander. Jobs, Familie, Love-Interests und andere Bekannte werden höchstens für kleinere Geschichten dazugeholt, und falls sie den Hauptcast zu sehr beeinträchtigen, wird die Geschichte umgeschrieben, sodass unsere Freunde wieder zum Hauptthema werden. Man siehe z.B. die Ross und Emily Geschichte. Dass Ross Rachels Namen am Altar sagt, zieht man Rachel automatisch in die Geschichte hinein. Die Möglichkeit, dass Emily eventuell für ein bis zwei Staffeln bleiben könnte und Teil der Clique wird, wird in keinster Weise versucht, wie in anderen Serien. Ebenso wird sie als Charakter ziemlich nach außen gedrängt. Wir sehen Ross‘ Versuche, die Hochzeit und die darauffolgende Trennung zu verarbeiten. Emily ist dabei selbst kaum mehr existent und spielt höchstens eine Gastrolle.  Auch als Mike, Phoebes späterer Ehemann, in den Cast kommt, wird sehr darauf geachtet, dass er nicht mehr Screentime in der Gruppe bekommt, als der Rest der Bande. Stattdessen wird er oft als „unabkömmlich“ gezeigt. Wie z.B. als er an Phoebes Geburtstag arbeiten muss. So steht die Gruppe wieder im Vordergrund.

Ganz anders bei The Office. Die Serie zeigt von Anfang an ziemlich deutlich, dass Charaktere kommen und gehen. So wie es im Leben nun mal so ist. Jim zieht für mehrere Folgen sogar aus Scranton weg. Als Zuschauer sehen wir solange ein neues Set und auch neue Charaktere wie Andy oder Karen, die nicht von Beginn dabei sind und später mit Jim nach Scranton zurückkehren. Gleichzeitig bleibt das Scanton Set aber erhalten und wir werden Zeuge von zwei verschiedenen Sets und Geschichten. Bei The Office werden Nebencharaktere in den Hauptcast befördert, wie z.B. Darryl. Einige Charaktere steigen aus (Bsp. Michael), andere fehlen für mehrere Folgen (z.B. Andy). Nebencharaktere kriegen öfters Episoden, wo sie auch im Focus stehen (DeAngelo), obwohl sie nur ein paar Folgen später wieder aus der Serie verschwinden. Und obwohl wir geliebte Charaktere wie z.B. Dwight haben, die den Handlungsbogen oft stark beeinflussen, so steht The Office ganz klar hinter dem Titel, dass es hier um das Leben im Büro handelt und es sich nicht unbedingt nur im die sich darin befindenden Charaktere drehen muss. Während Friends ganz klar die Freunde in den Fokus stellt und daraus kein Geheimnis macht.

Als nächsten Punkt kann man anmerken, dass The Office und Friends verschiedene Zuschauergruppen ansprechen. Friends sollte die Twens in den 90ern zeigen. Ihre Probleme und Wünsche darstellen. Noch nicht jeder weiß, was er mit seinem Leben tun möchte (z.b. Rachel), manche haben Geldprobleme, weil ihre Jobs ihnen nicht viel einbringen (z.b. Joey). Man feiert Partys, versucht erwachsen zu werden, zu heiraten und Kinder zu kriegen … Die Probleme werden ans Alter der Charaktere und damit den Zuschauern angepasst.

Derweil The Office durch seine Charaktervielfalt so gut wie alle Altersgruppen anspricht. Die Serie hat ältere Charaktere (z.b. Stanley) und jüngere (z.B. Jim). Charaktere, die ihren Job zunächst als temporär betrachten (z.B. Pam), Praktikanten (z.b. Ryan) oder Chefs (z.b. Michael). Die daraus resultierenden Probleme betreffen daher alle Altersgruppen und Klassen.  Es gibt die etwas wohlhabenderen Personen , genau wie diejenigen, die mit Geldproblemen zu kämpfen haben.  Man zieht einen etwas anderen Schnitt durch die Gesellschaft, als es bei Friends der Fall ist.

Fazit

Ich liebe beide Serien sehr und schaue sie mir gerne an. Jede Serie hat ihren eigenen Humor, was ich mag. Und ich mag es eben auch, dass beide so verschieden sind. Auch was ihre Geschichten betrifft.

Etwas, was beide Shows gemeinsam haben, ist, dass sie in den letzten Jahren hier und da in Kritik geraten sind. Bei The Office mit dem manchmal etwas herberen Humor und Friends wegen dem Mangel an Diversität im Cast. Fakt ist, beide Serien sind nicht dafür gedreht worden, um in zwanzig Jahren mit dem heutigen Standard gemessen zu werden. Aber das werden die Serien, die momentan gedreht werden, auch nicht. Wer weiß denn schon, wie sich die nächsten 20 Jahre entwickeln werden, an welchen Maßstäben sich die heute gedrehten Serien messen müssen. Einen solchen Vergleich zu ziehen ist immer unfair, deshalb sollte man eine Serie immer nur in dem eigenen historisch gesellschaftlichen Rahmen vergleichen, in dem sie damals erschienen ist.

Für mich sind sowohl Friends als auch The Office nicht zu vergleichen. Es sind zwei verschiedene Shows, die aber beide eine sehr hohe Qualität vorzuweisen haben. Ihre Drehbücher sind witzig, sie unterhalten uns. Und die Schauspieler zeigen uns eine wunderbare Leistung. Man sieht deutlich, wie viel Liebe zum Detail in beiden Serien steckt.

Sicher, man muss nicht beide Serien gleich oder überhaupt mögen. Jeder Geschmack ist verschieden. Und es ist in Ordnung, eine der beiden Serien mehr zu mögen. Und genau da zeigt es ja auch, dass die beiden Serien eben nicht zu vergleichen sind. Gerade weil es so viele Unterschiede gibt, die der eine mag und der andere nicht.

Insofern, bis zum nächsten Mal…

 

From Neptune to Mars – Duncan Kanes Ausstieg bei Veronica Mars

Copyright: Pola Swanson

Hallo allerseits,

genau wie letzte Woche, steht auch diesen Samstag ein neuer Artikel ins Haus. Diesmal geht es um den Ausstieg von Duncan Kane in der Serie Veronica Mars. Hat sein Ausstieg die Show verbessert, verschlechtert oder überhaupt keinen Unterschied gemacht? Finden wir es heraus.

Ich bin ziemlich spät zu Veronica Mars gestoßen, tatsächlich ist es erst wenige Monate her, seitdem ich mir die Urserie angesehen habe, sprich, die ersten drei Staffeln. Den Film von 2014 und die 4. Staffel, die erst 2019 als eine Art Reboot erschien, habe ich bislang nicht gesehen. Weshalb ich noch nicht weiß, ob die Rolle zurückkehrt oder nicht. Daher wird dieser Artikel sich erst einmal nur um Duncans Rolle in den ersten 2 Staffeln drehen. Ich habe zwar immer mal wieder von der Serie gehört, die 2004 ins TV kam, aber damals sagte sie mir weniger zu, dazu waren die deutschen Ausstrahlungstermine immer etwas stiefmütterlich angesetzt, sodass ich auch nicht zufällig mal hineingezappt habe. Nichtsdestotrotz kam ich immer wieder auf die Serie zurück, weshalb ich mir dachte: Warum nicht? Dazu wurde sie vom IZombie Erfinder Rob Thomas entwickelt und da ich diese Sendung wirklich mochte, gab es eigentlich keinen Grund mehr, nicht auch in Veronica Mars hineinzuschauen. Und was soll ich sagen? Mir gefiel die Sendung.

In Veronica Mars dreht sich alles um die Hauptprotagonistin Veronica Mars, die in ihrer Heimatstadt Neptune als Privatdetektivin unterwegs ist. Zunächst arbeitet sie neben der Schule in der Detektei ihres Vaters Keith, in der dritten Staffel erlangt sie dann ihre eigene Detektiv-Lizenz, derweil sie aufs College geht. Nebenbei erlebt sie natürlich auch alle Höhen und Tiefen des Erwachsenwerdens.

Das war eine schlichte Zusammenfassung, jetzt kann’s zurück zum Thema gehen. Duncan Kane, aka einer von Veronicas Love Interests.

Die Rolle des Duncan verließ die Serie etwa zur Mitte der 2. Staffel. Zwar sieht man ihn noch einmal kurz im Staffelfinale, doch dies kann man mehr als Gastrolle verstehen.

Duncan Kane ist der Bruder von Lilly Kane, um dessen Mord sich die erste Staffel dreht. Er war Veronicas Freund und machte mehr oder minder ohne große Ankündigung mit ihr Schluss, was Veronica natürlich vollkommen verwirrt zurücklässt. Später stellt sich heraus, dass Duncan glaubte, Veronica sei seine Schwester, was der Grund für die spontane Trennung war. Zum Glück  war diese Vermutung am Ende falsch, weshalb sie ihre Beziehung in Staffel 2 wiederaufnehmen, bis er letztlich die Stadt verlassen musste.

Ich muss sagen, mir gefiel die Rolle von Duncan von Anfang an eher wenig. Anders als z.B. bei Logan, fand ich Duncan stets ein wenig fade und langweilig und das zog sich von Episode zu Episode. Auch in der zweiten Staffel, in der Veronica die Beziehung mit Duncan wiederaufnahm, war ich recht enttäuscht. Nachdem man ihn weder als Lillys Mörder noch als Veronicas Angreifer überführte, hatte ich eigentlich geglaubt, Duncan könne nun zeigen, was in ihm steckt, was er meines Erachtens aber nicht tat. In der ersten Staffel galt er als Red Herring, als möglicher Angreifer Veronicas und Mörder seiner eigenen Schwester. Natürlich musste die Rolle so etwas zwielichtiger und unnahbarer gestaltet werden. Aber sobald seine Unschuld herauskam, hatte ich mir eigentlich erhofft, dass die Rolle ein wenig interessanter werden würde.

Stattdessen wurde ich auch danach nicht mit seiner Rolle warm, obwohl seine Geschichten eigentlich nicht schlecht waren. Er zieht das volle O.C. California meets Beverly Hills 90210 ab. Er ist ein superreicher Teenie mit einer eigenen Wohnung, war kurz in Verdacht seine Schwester in einem Wahn umgebracht zu haben, ist Mitglied einer geheimen High School Bruderschaft, trifft sich mit Veronicas Freundin Meg, die dann schwanger wird und das verheimlicht, weil sie sauer auf Veronica ist, dass sie nun wieder mit ihrem Freund zusammen ist. Später wird Meg durch einen Busunfall schwer verletzt, wodurch ihre Schwangerschaft auch Duncan und Veronica offenbart wird. Meg ahnt, dass sie sterben könnte und bittet Duncan, dass ihre Eltern ihr Baby nicht in die Hände kriegen dürfen, da diese ihre eigenen Kinder mit Gewalt erziehen und sie beim Baby keine Ausnahme machen werden.

Mit dieser Geschichte wird letztlich auch das Ende von Duncan eingeleitet. Denn zusammen mit Veronica (die sich wieder mit Meg vertragen hat und ihr natürlich hilft) kidnappt er sein Kind und flieht mit ihm nach Mexiko. Das FBI ist ihnen da direkt auf den Fersen, denn sie wollen das Baby zurückholen . Natürlich gelingt Duncan die erfolgreiche Flucht und er und sein Baby sind in Sicherheit. Am Ende der Staffel sieht man Duncan in seiner letzten Einstellung, als er den Mord an Aaron Echolls in Auftrag gibt, der der wahre Mörder seiner Schwester ist, aber freigesprochen wird.

Wie gesagt, ich muss sagen, dass ich die Rolle meistens dröge und recht unterbespielt fand. Man hätte mit dem Charakter durchaus mehr schaffen können. Für mich kam auch nie wirklich das Liebesdreieck zwischen ihm, Veronica und Logan richtig hervor, gerade weil ich ihn so unscheinbar fand. Anders als in anderen Sendungen, wo ich oft mitfiebere, so habe ich hier nie wirklich eine Beziehung zu dem Charakter aufbauen können. Logan hatte für mich daher schon den ganz natürlichen Vorteil, einfach weil sein Gegenpart zu langweilig war.

Und doch gab es die eine Geschichte, in der ich Duncan schließlich wirklich überzeugend fand. Leider passierte dies bei seiner Abschiedsgeschichte. Hier sah man eine spannende Handlung, der Charakter wurde endlich interessant dargestellt. Auch am Ende der Staffel fand ich den Twist um Duncan gut, dass er Rache am Mörder seiner Schwester nimmt. Dass er Aaron Echolls kaltblütig umbringen lässt, lässt Duncans dunkle Seite herausstehen und genau davon hätte ich gern mehr gesehen. Ich sage immer wieder, ein guter Charakter muss keineswegs moralisch einwandfrei sein. Im Gegenteil, ein guter Charakter muss Lust auf mehr machen. Die Charaktere müssen die Gründe sein, warum man beim nächsten Mal wieder einschalten will. Sie und ihre Reaktionen auf die Geschichten machen die Cliffhanger erst interessant. Natürlich gibt es auch Charaktere, die moralisch einwandfrei handeln und unterhaltsam sind. Aber auch hier macht der Unterschied zwischen Langeweile und Entertainment aus, ob wir Zuschauer denjenigen so spannend finden, dass wir die neue Folge nicht erwarten können.

Eines muss ich leider zugeben, wenn ich mir die Kane-Zwillinge Duncan und Lilly ansehe, so habe ich Lilly – obwohl diese nur in Rückblicken und Fantasieerscheinungen gezeigt wurde – viel stärker in Erinnerung als Duncan. Und das ist ehrlich gesagt schade, da wir ja in seinen letzten Einstellungen sehen, wie viel man noch aus ihm und seiner Rolle hätten herauskitzeln können.

Wie hat sich die Serie mit seinem Ausstieg verändert? Tja, leider muss ich sagen, dass sein Ausstieg meiner Meinung nach die Serie nicht wirklich beeinflusst hat. Es war weder so, dass die Serie in eine neue Dynamik finden noch das der Charakter unbedingt mit einem anderen ersetzt werden musste. Tatsächlich fand ich sogar, dass Veronica ohne Duncan viel besser dran war. Und nein, das sage ich nicht, weil ich ein Logan-Fan bin. Um ehrlich zu sein, mochte ich die Serie immer am liebsten, wenn sich Veronica  hauptsächlich um ihre Fälle kümmerte, denn diese Folgen stachen meiner Meinung nach immer am stärksten heraus. Ich brauchte die ganzen Liebeskarussells in dieser Serie eher wenig.

Natürlich hat es auch geholfen, dass Veronica in der nächsten Staffel aufs College wechselte, so kam das Thema Duncan auch nicht mehr wirklich auf. Man musste davon ausgehen, dass mit diesem Wechsel viele Neuerungen stattfinden würden. Neue Charaktere wurden eingeführt, die Kulissen verändert. Es ist ein natürlicher Prozess, der bei diesem Wechsel vonstatten geht. Nichtsdestotrotz war der Ausstieg von Duncan in meinen Augen kein Grund, dass die Serie an Fahrt verlor. Auch ein weiteres High School Jahr ohne ihn wäre kein Problem gewesen.

Fazit:

Ich hätte mir gewünscht, dass Duncan ein wenig interessanter gewesen wäre. Seine Ausstiegsgeschichte zeigt die Rolle von einer wirklich spannenden Seite und ich hätte so gern mehr davon gesehen. Obwohl man diese finstere Facette oft in kleineren Stückchen gezeigt hat, wurde sie trotzdem nie ganz entfesselt, was den Charakter meines Erachtens nach so langweilig werden ließ. Na klar, Logan hat auch eine dunkle Seite, aber es ist nicht so, dass nur ein Charakter immer gut und der andere Böse sein muss. Eine dunkle Seite heißt ja nur, dass man nicht immer moralisch handeln muss. Und das muss beileibe nicht unbedingt ausarten.

Nichtsdestotrotz ist Veronica Mars eine Sendung, die man sich anschauen, und die einen wirklich gut unterhalten kann. Gerade Veronica und Keith stechen erheblich hervor und ich finde, dass beide für sich schon die gesamte Serie problemlos hätten alleine tragen können. Ich werde mir die Serie ganz sicher noch mal ansehen.

Insofern, bis zum nächsten Mal!

 

Get out, get out, get out! Dawns Charakter von Buffy – Im Bann der Dämonen

Copyright: Pola Swanson

Hallo allerseits, auch diese Woche gibt’s einen neuen Beitrag! Diesmal geht es um Buffy- Im Bann der Dämonen!

Buffy lief von 1997 – 2003 und kam auf tolle 144 Episoden. Kreiert wurde sie von Joss Whedon. Obwohl 1992 auch ein Buffy Film in die Kinos kam, ist die Serie keineswegs die Fortsetzung, sondern steht für sich selbst.

In der Serie geht es um Buffy Summers (Sarah Michelle Gellar), die als Teenager erfährt, eine Vampirjägerin zu sein. Oder besser gesagt, die einzige Vampirjägerin. Fortan kämpft sie mit ihren Freunden gegen Vampire und Dämonen und rettet so täglich die Welt.

Neben Friends gehört auch Buffy zu meinen absoluten Lieblingsserien. Das erste Mal habe ich die Serie eher durch Zufall entdeckt, als ich noch ein Kind war und die Sendung im Samstag-Nachmittagsprogramm lief (ich nehme an, stark gekürzt). Seitdem begleitet mich die Serie mehr oder minder, obwohl ich mich am Anfang noch nicht wirklich als großer Fan bezeichnet hätte. Tatsächlich schaute ich Buffy seit dem ausgestrahlten Finale über Jahre nicht mehr. Auch wenn die Show stets auf meiner DVD-Kaufliste stand.
Ein großer Fan wurde ich erst später, als Buffy schließlich erneut im TV wiederholt wurde – ungeschnitten – und ich zum ersten Mal wirklich wertschätzen konnte, mit welcher Sorgfalt die Serie geschrieben wurde – obschon sie eigentlich „nur“ Teenies ansprechen sollte.
Und wie es nun mal so ist, gibt es auch in einer Lieblingsserie gute oder weniger gute Charaktere. Bei Buffy gibt’s da für mich keine Ausnahme.
Für mich macht ein guter Charakter aus, dass er mich unterhält. Er muss  facettenreich sein. Mir geht es weniger um gut und böse, sondern um darum, dass der Charakter diskussionswürdig ist. Und gerade deshalb sowohl gute wie schlechte Seiten hat.  Interessante Charaktere treffen manchmal eben auch unbeliebte Entscheidungen. Und das ist auch gut so.
Trotzdem, jede Serie hat Charaktere, die von der Fangemeinschaft abgelehnt werden. Oft habe ich hier das Gefühl, dass die Ablehnung in Richtung Xander und Dawn geht (und Kennedy, aber sie ist kein Hauptcharakter, also zähle ich sie hier nicht auf). Ist diese Ablehnung denn auch immer berechtigt? Schauen wir uns das genauer an. Am besten gehe ich nach dem Ladies First Prinzip und beginne deshalb, Dawn zu diskutieren.

Eins vorweg, die Geschichte rund um Dawn zu erklären, ist kompliziert, wenn man die Serie noch nicht gesehen hat. Oder wenigstens, wenn man die 5. Staffel noch nicht kennt. Ich gehe einfach davon aus, dass die meisten ihren Hintergrund kennen. Ansonsten könnte es zu Verwirrung kommen, da sie vor Staffel 5 buchstäblich nicht existiert.

Beginnen wir am Anfang. Und damit meine ich bei Dawns (Michelle Trachtenberg) Einführung. Ich gehe nicht groß auf das Schockelement ein, zu erfahren, dass Buffy plötzlich eine Schwester hat, die aus dem Nichts auftaucht und diese Tatsache, als eine Art Selbstverständlichkeit gezeigt wurde. Man fragt sich unweigerlich, ob man nicht eine Folge verpasst hat, die erklärt, warum Dawn so unvermittelt auftaucht.

Ich kann verstehen, dass – gerade nach der 4. Staffel, die durchweg gemischt aufgenommen wurde, weil die bekannte Dynamik der Charaktere durcheinandergebracht wurde – diese Neuerung viele Zuschauer im Staffel 5 genervt haben könnte. Man erhoffte sich eine Staffel, wie man sie kennt. Das Back to the Roots, was man eine Staffel lang vermisst hat. Und dann kam etwas, was einen nicht nur verwirrt hat, sondern was die Dynamik erneut durcheinanderbrachte, anstatt sie wieder zum Anfangspunkt zu bringen. Auch Dawns Einführung, die gezeigt hat, das Dawn das typische Klischee einer nervigen, kleinen Schwester ist, hat nicht dazu beigetragen, dass Fans ihr gegenüber rasch auftauten. Ganz im Gegenteil, man empfand sie als genauso kindisch und nervig und fragte sich, was das Ganze eigentlich sollte.
Ich hatte bei Dawns Kennenlern-Storyline oft das Gefühl, dass dem Zuschauer verkauft werden sollte, dass sie vielleicht doch mit dem Bösen kooperiert und etwas mit dem Big Bad im Schilde führt. Die Art und Weise wie ihr Charakter geschrieben wurde, kam mir oft gegensätzlich vor. Manchmal glaubte man, sie sei vielleicht einfach nur ein wenig verzogen, ein anderes Mal schien es, als habe sie ein dunkles Geheimnis und mehr Wissen, als man ihr zutraue. Ich weiß nicht, ob das so beabsichtigt war, doch mir kam es immer so vor.
Die Tatsache, dass einige verwirrte Menschen sie als „Nichts“ bezeichneten, führte ebenfalls zu einer verwirrenden Handlung, bei der man nie wirklich wusste, wo man als Zuschauer stand.
Manchmal glaubte man, sie würde Buffy bewusst in Gefahr laufen lassen oder sie Dinge verheimlichen. Die Ben/Glory Geschichte ist ein gutes Beispiel für mich. Obschon der Zuschauer zu dem Zeitpunkt längst über ihren Hintergrund aufgeklärt wurde, so verwirrte mich der Moment sehr. Als Ben sich vor Dawns Augen in Glory verwandelte, hatte ich zuerst geglaubt, Dawn würde Buffy bewusst anlügen, sich nicht zu erinnern, dass Ben und Glory dieselbe Person ist (ja, ich sage damit, dass es eine Verbindung zwischen Ben und Glory gibt 😉 ). Erst später war mir klar, dass niemand sich an den Bodyswap erinnert, wenn er ihn live miterlebt. Trotzdem fand ich es, mit dem Hintergrund, dass Dawn neu war, im ersten Moment eher seltsam und die Frage kam unweigerlich auf, ob Dawn etwas verschwieg. Sie war nun mal ein neuer Charakter, der auf geheimnisvolle Weise in die Buffy Welt eingeführt wurde. Als Zuschauer einer Fantasy-Sendung sucht man dann natürlich nach dem Twist der Geschichte. Auch ihre Stutenbissigkeit wird ein wenig übertrieben, wie ich finde. Sie ist ein Teenager, ja, dennoch wurde Dawn in den ersten Episoden ein wenig in die Richtung gelenkt, als bereite es ihr den größten Spaß, Buffy zu ärgern und in Schwierigkeiten zu bringen. Ich, ebenfalls die kleine Schwester in meiner Familie, konnte mich mit diesem Verhalten überhaupt nicht identifizieren. Aber womöglich gibt es solche Geschwister ja wirklich.
Ich finde das schade, denn genau so hätte man das geschwisterliche Verhältnis überhaupt nicht schreiben müssen. Man hätte eine liebevolle Beziehung zeigen können. Zumal die Erfahrung, dass Dawn eigentlich nicht existiere, so einen viel größeren Einfluss auf Buffy gehabt hätte. Auch die Zuschauer wären eventuell besser auf eine freundliche Beziehung eingegangen, hätten die Sache mehr mit einem Schock aufgenommen. Doch so hat man gleich versucht, die Leute gegen Dawn aufzustacheln. Wenn sie nicht existiere, warum braucht man sie dann noch?
Trotzdem bin ich der Meinung, dass man Dawn unrecht tut, wenn man sie hasst.
Warum?

Hier meine Antwort:

Zu aller erst: Dawn ist ein Teenager.
Teenager sind nun mal furchtbar dramatisch und manchmal grundlos gemein. Ich weiß, man könnte Buffy jetzt als Vergleich setzen, aber wir müssen hier auch eins entgegensetzen. Keiner der originalen Teenie-Schauspieler (Buffy, Willow, Xander) war zu Beginn der Serie ein echter Teenager. Alle Darsteller waren um die zwanzig Jahre und älter. Lebenserfahrung spielt eine große Rolle, wenn es ums Schauspiel geht. Und vor allem um die Geschichten, die die Schauspieler bespielen. Und manchmal machen ein bis zwei Jahre eine Menge aus. Michelle Trachtenberg war ein Kinderstar, ja, aber dennoch nur ein Teenie. Natürlich spielt sie ihre Rolle wie ein Teenie. Sie spielt ihre Rolle so, wie sie selbst ihre Altersgruppe wahrnimmt. Sie kennt die Probleme, denn sie steckt noch mitten in dieser Problematik. Nicht jeder Teenager ist so wie Dawn, doch Dawn hatte nun mal eine Charakterbeschreibung und die wird von Michelle Trachtenberg super bespielt. Sie spielt die Rolle verständlich, nachvollziehbar und zu 100%, wie man sich einen solchen Teenager mit diesen Vorgaben vorstellt. Vor allem, wenn von ihrer Rolle überhaupt nicht erwartet wird, die Welt zu retten und der von ihrer Mutter so in Watte gepackt wird, gibt es keinen Grund, warum sie ernst, grüblerisch und verantwortungsbewusst sein sollte.

Buffy wurde mit Verantwortung überschüttet. Sie musste zwangsläufig erwachsen werden. Dass Dawn das nicht muss, macht sie vielleicht in dieser Situation glücklicher. Nichtsdestotrotz kann man dann aber von ihr erwarten, sich genauso wie Buffy zu verhalten.
Sie ist eifersüchtig auf die coolen Dinge, die ihre Schwester tun darf, doch versteht die Gefahren dabei nicht, weil sie von allen Seiten behütet wird. Joyce (Kristine Sutherland) kompensiert mit Dawn alles, was sie bei Buffy nicht kann, da Buffy nun mal die Jägerin ist. Und auch Buffy, die so viel furchtbares gesehen hat, kann Gefahren deshalb besser einschätzen. Sie weiß, die bösen Buben werden gegen ihre Familie gehen. Und Dawn ist nun mal am anfälligsten. Sie ist jung, unschuldig und bei weitem weniger erfahren, was Menschenkenntnis und Kampftechniken angeht. Kein Wunder also, dass höchste Gefahrenstufe bei ihr ansteht. Doch das heißt auch, dass sie manchmal zurückstecken muss. Sie kann nicht immer zu Freunden, weil gerade jemand versucht, Buffy zu töten. Sie darf aber ihrer Schwester aber auch nicht mithelfen, weil sie vor all dem Bösen möglichst lange beschützt werden soll. Sowohl Buffys als auch Dawns Leben hat seine Licht- und Schattenseiten und beide reagieren so, wie es logisch ist, auf ebendiese Lebensumstände zu reagieren.

Genauso ist es mit ihrer Existenz. Man muss sich vorstellen, wenn man erfährt, dass man eigentlich gar nicht existiert. Dass alle Erinnerungen, die man hat, reine Lügen sind. Dawn wurde ja nicht adoptiert. Sie kann nicht sagen, dass sie ihre Identität findet, indem sie ihre leiblichen Eltern sucht. Dawn existierte schlichtweg nicht. Ihr wird in ihrem jungen Alter praktisch gesagt, dass sie ein Nichts war. Denn sie war nonexistent. Sie ist ein fleischgewordener Schlüssel, der ein Höllenportal öffnen soll. Dass Glory (Clare Kramer)  Menschen tötet, um an sie heranzukommen, wird sie zwangsläufig auf sich beziehen. Dass ihre Familie sie nur lieben kann, weil man es ihnen eingepflanzt hat – genau das wird sie denken. Allein für einen Erwachsenen wäre so etwas traumatisch, aber für ein Kind? Ich muss sagen, Michelle Trachtenberg spielt Dawns Zerrissenheit und die Überforderung wirklich überzeugend.

Obwohl Buffy, Giles (Anthony Stewart Head) und später auch Joyce und die Scoobie Gang über Dawns Geheimnis eingeweiht werden, erfährt Dawn es dadurch, dass sie selbst nach Antworten sucht, weil niemand sie einweihen möchte. Heimlich so etwas rauszufinden, ist ebenso nicht einfach zu verkraften. Sie wurde ihr ganzes Leben (oder das, was sie dachte, ihr Leben sei) in Watte gepackt.
Auch dass Dawn nach dieser Entdeckung weiterhin nicht gut genug vorbereitet wird, was Kampftechnik oder magische Aufklärung betrifft, missfällt mir. Ich verstehe Buffy zwar auf der einen Seite, doch auf der anderen Seite wurde ihr doch ziemlich deutlich gezeigt, dass das Magische ihre Familie immer beeinflussen wird. Und gerade Dawn, die schlicht herbeigezaubert wurde, ist doch hier das wandelnde Beispiel. Als Schwester der Jägerin, ob nun hergezaubert oder nicht, hat sie nun mal kein normales Leben. Buffys Job wird ihr Leben mit verändern. Sie wird immer ein Ziel für Buffys Feinde bleiben. Wäre Dawn wirklich von Anfang an da gewesen, wie einfach wäre es für Angel (David Boreanaz) gewesen, Dawn wehzutun? Gerade Drusilla (Juliet Landau) wäre hier der perfekte Vampir gewesen, Zugang zu Dawn zu finden. Gäbe es Dawn seit Staffel 1, wäre sie sie sicher mit einer ähnlichen Storyline dort hineingeschrieben worden. Tatsächlich denke ich sogar, gäbe es Dawn seit Staffel 1 hätte man sie genauso schnell erwachsen werden lassen wie Buffy.

Ein weiterer Vorwurf, auf den man oft stößt, ist, dass sie zu viel jammert.
Sehen wir uns Staffel 5 an und fragen uns, ob sie wirklich keinen Grund hat, ein bisschen psychisch angeknackst zu sein, was dazu führen kann, dass sie dies mit Schreien und jammern vielleicht kompensiert.
Joyce wird sterbenskrank, dabei erfährt Dawn , sie sei nur ein „Schlüssel“. Später denken alle, Joyce sei gesund, nur um dann von einem auf den anderen Moment zu sterben. Kurz darauf wird ihre beste Freundin Tara (Amber Benson) schwer verletzt, und das nur, weil Glory an den Schlüssel will. Die Scoobie Gang muss vor Glory fliehen und zwar in einer Tag- und Nachtaktion. Nicht wissend, ob sie je nach Sunnydale zurückkehren oder ob sie überhaupt überleben … und am Ende wird Dawn von Glory entführt. Bei dieser angekommen, teilt man ihr mit, sie würde bald sterben, weil man sie als Opfer bräuchte. Aber okay, da Buffy das natürlich verhindert, ist ja alles gut. Ach nein, Dawn muss vorher noch mit ansehen, wie sich das einzige Familienmitglied, was ihr noch bleibt, was sie liebt und sich um sie kümmert … vor ihren Augen in den Tod springt, um die Welt zu retten!
Oh okay, aber sie hat ja noch ihren Vater … äh, nein! Denn der schert sich überhaupt nicht um sie oder Buffy. Tatsächlich kümmert es ihn sogar einen Dreck darum, ob ihre Mutter tot ist oder nicht, denn er ist lieber mit seiner Sekretärin im Urlaub. Ja, und das passiert alles, als Dawn 14 Jahre ist. Und auch wenn sie Freunde hat, so ist ihr Zirkel überhaupt nicht mit dem von Buffy zu vergleichen. Strenggenommen hat Buffy ein viel engeres Umfeld an Menschen, mit denen sie reden kann. Dawn hingegen muss jedem Geheimnisse vorenthalten, die ihre Familie betreffend. Das ändert sich theoretisch erst in Staffel 7, als sie an ihrem ersten Schultag Freunde findet, die sie auf etwas ungewöhnliche Art und Weise kennenlernt. (Richtig verfolgt wird diese Storyline später nicht mehr, doch das schiebe ich eher auf die Tatsache, dass es die Finalstaffel war und die Geschichten ein wenig anders bearbeitet werden mussten).

Aber gut, gehen wir in die 6. Staffel.
Nachdem es klar ist, dass ihr Vater sich nicht kümmert und man sicher sein muss, dass die Dämonen weiter vor Buffy Angst haben, weil es keine Jägerin mehr gibt (die einzig Verfügbare ist Faith (Eliza Dushku) und die sitzt wegen Mordes im Gefängnis und ist, sagen wir, nicht besonders stabil), darf Dawn nicht einmal bei ihren Freunden oder mit einem Therapeuten den Tod ihrer Schwester und Mutter verarbeiten. Denn niemand darf von Buffys Tod erfahren.
Zwar kümmern sich Willow (Alyson Hannigan) und Tara um sie. Aber die drei leben von Joyces Lebensversicherung. Keiner geht einer Arbeit nach, weshalb das Geld immer knapper wird. Das führt unweigerlich zu Ängsten, denn es muss klar sein … keine Kohle – kein Obdach. Auch ohne Buffys Wiederkehr hätte es spätestens ein paar Monate später arge Probleme gegeben.
Stattdessen tun alle so, als sei der Buffy-Bot (ein Roboter, der aussieht wie Buffy. Da gibt’s ne Vorgeschichte in Staffel 5) Buffy. Der Roboter ist natürlich etwas schwierig zu bedienen und erzählt des Öfteren Unsinn, weil er, nun, ein Roboter ist. Trotzdem ist Dawn gezwungen, den Roboter überall mitzunehmen, wo Buffy gebraucht wird. Das heißt, eine 14/15 Jährige (ich kenne ihren Geburtstag nicht, aber ich glaube, zu Beginn der 6. Staffel ist sie schon 15) muss sich jetzt auch noch darum kümmern, dass der Roboter funktioniert und ihr keine Schwierigkeiten bereitet. Auch da die Probleme der Vorstaffel schon öfters dazu geführt haben, dass sich das Jugendamt bereits mit der Summers Familie beschäftigt und es Gespräche gibt, ob Dawn nicht eventuell aus der Familie genommen wird.
Dawn trauert, aber sie kommt zurecht … und dann kommt Buffy wieder. Auferstanden von den Toten. Ein Schock. Ehrlich, was würde ich machen, würde plötzlich mein toter Opa vor meiner Tür stehen? Normal ist das nicht. Aber gut, Buffy ist natürlich schwer depressiv. Was verständlich ist. Denn sie wurde aus dem Himmel gezogen und muss nun auch noch damit klarkommen, komplett pleite zu sein. Giles, ihr Vaterersatz, haut auch ab und eigentlich ist diese Konstellation jetzt die Grundlage für alle guten Dramaserien.
Dass Buffy im eigenen Schmerz gefangen ist, ist verständlich und nachvollziehbar. Niemand kann ihr vorwerfen, dass sie deshalb nicht fähig ist, sich um Dawn zu kümmern, bzw., dass sie nur das Nötigste schafft, zu bewältigen. Durch die konstante Gefahr durch Dämonen kann Dawn aber auch schwer Außenstehende um Hilfe bitten. Ich meine, jeder würde sie für verrückt halten, würde sie von Hexen, Dämonen und Vampiren sprechen. Hinzu kommt, dass Willow später ebenfalls eine Sucht entwickelt, was das ohnehin fragile Gefüge im Summers Haushalt noch kaputter macht. Denn Willows Sucht führt zur Trennung mit Tara. Für Dawn erneute Rückschläge, gerade, weil sie gerade mit Tara eine sehr tiefe Freundschaft verbindet.
Vor allem, als Willow Dawn im Rausch beinahe umbringt, wird diese erneut in eine traumatisierende Situation gebracht. Kurze Zeit später stirbt Tara, erschossen von Warren (Adam Busch). Tara war die einzig noch funktionierende Konstante in Dawns Leben. Und sie findet sie tot auf dem Boden. Vom Rest der Truppe keine Spur, da Buffy und Xander gerade versuchen müssen, Willow nach dem Tod ihrer Seelenverwandten nicht die ganze Welt in Schutt und Asche zu legen.

Ich verstehe Buffy, ich verstehe Willow und Tara. Ich kann nachvollziehen, dass ihr Leben komplett aus den Fugen gerät. Und auch dass sie deshalb Schwierigkeiten haben, sich alle um Dawn zu kümmern.
Aber genauso kann ich Dawn verstehen. Dawn kreischt, damit ihre Stimme gehört wird. Und ich verstehe ihren Schmerz. Wenn man Willow und Buffy Verständnis gegenüber bringt, muss man das auch bei Dawn. Vor allem da sie denkt, dass Buffy lieber wieder tot wäre, als mit ihr zusammen zu sein. Wie herzzerreißend ist das, wenn eine 15- Jährige das denkt?
Ich meine, nicht nur Willow und Buffy werden mit mehr Verständnis behandelt. Auch bei Faith lese ich immer wieder, dass ihr– weil sie eine schlimme Kindheit und Jugend zu haben schien – Verständnis für all ihre Taten entgegengebracht werden. Auch weil sie hinterher dafür ins Gefängnis geht. Aber auch Dawn hat sich, was ihre KLeptomanie betrifft, die sie hauptsächlich in Staffel 6 entwickelt, bei den Ladeninhabern entschuldigt, nachdem das herauskam. Und man kommt nun mal dafür nicht sofort ins Gefängnis, während Faith wegen Mordes sitzt.
In Staffel 7 gewinnt Dawn dann ein wenig mehr an Verständnis. Endlich darf sie mehr von sich zeigen, Buffy bringt ihr sogar das Jagen bei. Ich meine, klar, es ist etwas schade, dass diese Storyline erst dann kam, als die Serie zu Ende ging. Dadurch musste man Dawns Geschichte wieder hinten an stellen und ihre ganze Charakterlinie ist ein wenig unzufrieden ausgegangen.
Und doch gibt es die Dawn Schwierigkeiten auch in der 7. Staffel immer. Sie ist zu jung, um zu kämpfen, sie versteht das Jägerinnen-Dasein nicht (obwohl sie am Anfang noch jagen durfte) bla bla … und wird dann vorgeworfen, viel zu wenig für die Gruppe zu tun. Dabei lernt das Mädchen einen Haufen antiker und moderner Sprachen – mal eben so … nur um ihre Schwester und Freunde zu unterstützen, um die alten Zauberbücher zu lesen – neben der Schule. Ich meine, dafür ging Giles zur Uni, was Dawn in wenigen Monaten lernte … und niemand scheint ihr mal ein wenig gutmütig gegenüberzustehen. Außer Xander (Nicholas Brendon).

Fazit
Ich finde nicht, dass Dawn den Hass verdient hat, der ihr entgegengebracht wird. Ich kann verstehen, dass die Rolle anfangs oft etwas „drüber“ geschrieben wurde. Das ist nun mal so, wenn man Teenie ist. Man kann sie einfach nicht mit Buffy vergleichen. Auch da die Schauspielerin nun mal einen Teenie in ihrem echten Alter spielt.
Dawn gehört vielleicht nicht zu meinen Lieblingscharakteren, dennoch verstehe ich nicht, warum man ihrem Charakter nicht ebenso viel Verständnis wie den anderen entgegenbringt. Sie reagiert auf das, was ihr vor die Füße geworfen wird. Herrje, im echten Leben würde man ihr sogar eine Therapie vorschlagen! Die Rolle ist gut geschrieben und portraitiert worden, auch wenn sie etwas holprig am Anfang erschien. Für mich ist sie unterm Strich ein gelungener Charakter und ich hätte sie gern länger gesehen, um ihre Entwicklung weiter zu verfolgen.

Insofern … bis zum nächsten Mal …

My Mom and Dad are gonna be so mad at me – Die Rückkehr von Stu Macher. Möglich oder Quatsch?

Copyright: Pola Swanson

Hallo allerseits!

In dieser Woche geht es bei mir um einen meiner Lieblingsfilme: Scream!
Ich muss gestehen, ich gehöre zu denjenigen, die schon in jungen Jahren zum Horrorkino gestoßen sind. Bereits als Kind habe ich gruselige Filme und Serien wie Hocus Pocus, Hexen hexen, Gänsehaut, Grusel Grauen Gänsehaut und Geschichten aus der Gruft (Die Trickserie) gemocht und vor allem jede Simpsons Treehouse of Horror Folge verschlungen, wenn sie im Fernsehen kam. Meine Vorliebe zu Horror hat meine Leseliebe zu R.L. Stine und Thomas Brezinas Gruselclub entwickelt und damit auch die Sammelleidenschaft, was die Bücher beider Schriftsteller betraf (übrigens, sehr empfehlenswerte Autoren; und R.L. Stine hat momentan sogar ein Comeback mit Fear Street. Diese Reihe war meine absolute Lieblingsreihe, sogar noch vor Gänsehaut).

Doch nichts konnte mich wirklich darauf vorbereiten, als ich Scream das erste Mal sah.

Ich weiß nicht mehr, wie alt ich genau war, als ich den Film das erste Mal schaute und doch weiß ich, dass mir allein die Anfangssequenz zeigte, dass ich hier vor einem künftigen Klassiker saß. Damals guckte meine Schwester den Film mit mir, aber leider schaltete sie nach der berühmten Casey Becker Sequenz das Fernsehen aus, weil es ihr zu gruselig wurde. Deshalb musste ich noch ein wenig warten, bis ich in der Fernsehzeitung endlich eine neue Ausstrahlung entdeckte, in der ich den Film dann zum ersten Mal komplett sehen konnte.
Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich den Film seitdem geschaut habe, aber er steht bis heute ganz oben auf der Liste meiner Lieblingsfilme.
Wie gerne ich die Filmreihe mag, zeigt sich auch darin, dass es einer der wenigen Filme ist, bei denen ich mir vor dem ersten Sehen keine Spoiler ansehe. Vielleicht schaue ich den Trailer, doch ich achte dabei nie auf die Einzelheiten, nur damit ich am Ende überrascht werden kann. Ich liebe das Whodunit Prinzip der Reihe und die Macher schaffen es immer, dass ich unterhalten werde, auch wenn mir innerhalb der Reihe nicht jeder Film gleich gut gefällt oder mir ihre Motive auch nicht immer gefallen. Dennoch muss ich gestehen, dass selbst der schwächste Scream-Teil qualitativ gesehen immer sehr hoch ist, vor allem, wenn man ihn mit anderen Horror-Franchise-Reihen vergleicht.

Und weil ich weiß, dass ich mit meiner Liebe zu dem Film nicht alleine dastehe, kriege ich natürlich auch in Internetforen oder Social Media Kanälen mit, wie kräftig die Fans, vor allem nach dem fünften Teil, mögliche Castings und Storylines für Teil 6 diskutieren. Und ja, auch die Geschichte rund um Neve Campbell und ihre mögliche Teilnahme im neuem Teil.

Ein Thema, was die Fans dabei besonders beschäftigt, ist die Person Stu Macher.

Wir erinnern uns, Stu Macher ist neben Billy Loomis einer der Ghostface-Mörder im ersten Scream Teil. Und während Billy ziemlich deutlich am Ende mit einem Kopfschuss hingerichtet wird, so sehen wir Stu das letzte Mal, als ein Röhrenfernseher auf seinen Kopf fällt.
Während der Tod von Billy recht deutlich gemacht wird und auch des Öfteren erwähnt wird, blieb man bei Stu lange im Unklaren, wie es mit ihm weiterging. Genau aus diesem Grund gibt es immer wieder Gerüchte , er würde bzw. könne noch ins Franchise zurückkehren.
Und da Mathew Lillard tatsächlich einen kurzen Cameo-Auftritt im 2. Film hatte, sowie es einmal sogar geplant war, Stu im 3. Teil als neues Mastermind zurückzubringen, so sahen wir Mathew Lillard in seiner wohl berühmtesten Rolle trotzdem niemals wieder. Anders als Billy – der im aktuellen 5. Teil als eine Art Geistererscheinung/Illusion zurückkehrte (und ja, ich weiß, Matthew Lillards Stimme soll wohl ebenso im 5. Teil zu hören sein, aber halt auch nicht als Stu).

Ich persönlich kann sagen, dass Stu einer meiner Lieblingscharaktere im Scream-Universum ist. Das hat auch damit zu tun, weil ich ein riesengroßer Fan von Matthew Lillard bin. Der Mann ist ein unglaublich guter Schauspieler und wird meines Erachtens nicht genug wertgeschätzt. In jedem seiner Filme schafft er es, eine andere Facette von sich zu präsentieren und jedes Mal unterhält er mich mit Abstand am meisten.

Aber fangen wir von vorne an.

Nachdem Scream im Jahre 1996 erschien, entwickelte er sich in Windeseile zu einer Art modernen Klassiker. Der Erfolg des Filmes löste eine neue Welle an Begeisterung für den Teen-Slasher- Film aus. Wes Cravens Regie, im Zusammenspiel mit dem Drehbuch von Kevin Williamson, gilt bis heute unter den Fans als eine legendäre Zusammenarbeit und hat nicht umsonst ein großes Fandom zu verzeichnen, dass bis heute immer wieder neue Bewunderer hinzugewinnt, aber mitunter auch recht toxisch sein kann (ja genau, das soll eine Anspielung auf Teil 5 sein).
Stand Juni 2022 wurden bislang 5 Teile gedreht, wobei Wes Cravens bei 4 Teilen Regie führte. Beim 5. Teil führten Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett Regie. Wes Craven starb im Jahr 2015, doch seine Legende lebt weiter. Für 2023 ist ein 6. Teil geplant, bei dem erst vor kurzer Zeit der Dreh gestartet wurde. Genau wie in Teil 5 sollen auch hier wieder Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett die Regie übernehmen.

Zurück zu Stu. Die Frage, ob man Stu Macher zurückholt, spaltet die Fangemeinschaft. Warum? Nun, es gibt die Gruppe, die denkt, Stu habe den ereignisreichen Abend im Jahr 1996 überlebt und warte nun im Geheimen darauf, endlich zurückzukommen und sich an allen zu rächen. Eine andere Gruppe meint, dass niemand multiple Stichwunden und einen schweren Röhrenfernseher, der einen mit elektrischen Schlägen foltert, überlebt. Und natürlich gibt es eine dritte Gruppe, die freudig dabei zusieht, wie die anderen beiden sich die Köpfe einhauen.

Versuchen wir daher, den fatalen Abend im Jahr 1996 Revue passieren zu lassen und schauen, ob es Möglichkeiten gäbe, Stu ohne Probleme ins Franchise zurück zu holen.

Stus Ende ist drastisch. Das braucht man nicht zu beschönigen. Wie bereits erwähnt, wurden ihm durch Billy mehrere Stichwunden zugefügt. Diese sollten ihm eine Art Alibi beschaffen, damit man die Morde hinterher Sidney in die Schuhe schieben konnte. Es war geplant, dass Billy und Stu den Abend schwerverletzt überlebten. Ergo kann man davon ausgehen, dass Billy jedenfalls versucht hat, Stu nicht direkt tödlich zu treffen. Obschon man auch hier theoretisch drüber diskutieren könnte, dass es Billy herzlich egal war, was aus Stu würde. Aber gehen wir jetzt einfach davon aus, dass Billy ihn wirklich nicht tödlich verletzten wollte.
Stu verlor bereits in den Endszenen eine Menge Blut und man konnte sehen, dass es ihm nicht gut ging. Dennoch blieb er am Leben.
Die Frage Nummer eins: Konnte er die Stichverletzungen überleben?
Ich bin keine Ärztin, also kann ich nur mutmaßen. Trotzdem denke ich, hätte man ihn nach Hollywood-Standard auf eine logische Art und Weise überleben lassen können. Sicher, in der Realität wäre die Chance groß gewesen, dass er seinen Verletzungen erliege. Doch gäbe es nur die Stichwunden, bestünde wenigstens eine gute Chance, dass Stu diese überlebte und auch noch 25 Jahre später auf Rache sinnt.

Was daraufhin folgte … nun, da müsste Hollywood schon ein wenig härter in die Trickkiste greifen, um den Zuschauern das verständlich zu verkaufen.
Denn Stu überlebte die diversen Stichwunden, nur um später von Sidney mit einem Fernseher auf dem Kopf getroffen zu werden. Und wenn das nicht schon genug wäre, so wurde er dabei noch mit einer Wagenladung an Stromschlägen gegrillt.
Nun, ich weiß nicht, wie viele Leute sich heute an Röhrenfernseher erinnern. Da ich schon ein paar Lebensjahre auf dem Buckel habe und selbst einen gehabt habe, weiß ich noch ganz genau, wie schwer die Dinger sein konnten.. Ein Flatscreen ist damit kaum vergleichbar.
Ein Röhrenferner kann gerne zwischen 7 und 150kg wiegen (https://www.chip.de/artikel/Grundlagen-TV-Geraete-LCD-Plasma-oder-Roehre-4_140238716.html#:~:text=ein%20R%C3%B6hrenfernseher%20wiegt%20je%20nach,je%20nach%20Bildschirmdiagonale%20des%20TVs.). Stus TV sah mir nicht aus wie ein 7kg TV – ganz im Gegenteil, und wenn ich an den großen Kasten meiner Eltern denke (und vor allem seine Schwere), dann gehe ich nicht davon aus, dass man es überleben kann, von einem auf dem Kopf getroffen zu werden. Es ist ja nicht nur das Gewicht. Auch die kaputte Glasscheibe, sowie die Stromschläge werden ihr übriges getan haben. Zumal er bereits vorher unter immensem Blutverlust litt.
Wie gesagt, ich bin keine Ärztin, aber das sieht mir so aus, als könne nicht einmal McDreamy den Patienten retten (ja, der Vergleich mit Patrick Dempsey a.k.a Mark Kincaid ist beabsichtigt, Scream-Fans 😉 ).
Ich glaube Stu bräuchte eher die Kräfte eines Jason Vorhees, um das zu überleben. Ich frage mich also, wie könnten mich die Macher überzeugen, dass ich glaube, dass unser guter Stu den Abend überlebt hätte?

Natürlich ist Hollywood Hollywood. Es wäre nicht das erste Mal, dass sich Regisseure und Drehbuchautoren irgendeinen Blödsinn ausdenken, nur um einen beliebten Charakter zurückzubringen.  Und gerade im Horrorgenre findet man einen Haufen sinnloser Wiederbelebungsmaßnahmen, nur um den toten Hauptcharakter zurückzuholen. Ein recht bekanntes Beispiel ist Jason Vorhees. Unmöglich fände ich die Idee daher nicht, sollte Stu plötzlich aus irgendeiner Ecke springen .
Trotzdem.
Scream versucht eigentlich immer, möglichst nah an der Realität zu agieren. Die Killer sind nicht unbedingt übermenschlich veranlagt wie Michael Myers oder Freddy Krüger, dennoch gibt es auch hier gewisse kreative Freiheiten, die die Killer ein wenig von unserer Realität abheben.
Nichtsdestotrotz vermeiden die Macher der Reihe jegliche übernatürliche Elemente. Und dass sollte man nicht unbedingt ändern. Jedenfalls nicht, solange man sich noch in der Original-Timeline befindet.

Wie oben bereits erwähnt, kann kein Fan entscheiden, ob Stu überlebt. Egal, mit welchen Geschichten sie kommen, um sein Überleben oder Tod zu erklären. Nur die Macher des neuen Scream treffen am Ende diese Entscheidung. Halten sie ihn für tot? Dann ist er es. Auch weil – anders als bei Halloween –  die Timeline gleich bleibt.
Wollen sie Stu zurück? Dann finden sie auch hier einen Weg. Entweder mit Logik oder nicht. Das ist Hollywood. Denn den Film schauen wir trotzdem, oder? Auch wenn wir ihn hassen.

Ich persönlich liebe Stu, das habe ich in dem Artikel auch schon geschrieben. Trotzdem möchte ich auch nicht, dass Scream zu realitätsfern wird. Und ja, da spreche ich auch die bereits oft gesehenen Geister oder Illusionen aus Teil 3 und 5 an. Dazu wäre es ein wenig langweilig, auch mit Stu diese Masche durchzuziehen. Man muss mir also schon etwas Nachvollziehbares verkaufen, brächte man ihn zurück. Ich schätze, sie würden es einfach nicht mehr erwähnen und die Vorgänge von vor über 25 Jahren schlicht todschweigen. Das wäre die einfachste Möglichkeit, obwohl sie mir persönlich nicht gefiele.

Nichtsdestotrotz gäbe es für mich eine Lösung, mit der ich zufrieden wäre. Nämlich, dass man nicht Stu Macher zurückbrächte, sondern einfach nur Matthew Lillard. Schließlich mögen wir Stu doch nur durch seine Darstellung.
Matthew Lillard könnte als ein ganz anderer Charakter eingeführt werden. Vielleicht als Stus Zwillingsbruder, den alle für schuldig halten und er am Ende alle rettet. Oder als eine Art Doppelgänger ohne familiären Hintergrund.
Man könnte ihn auch schlicht in die Maske schicken und ihm ein anderes Aussehen verpassen, sodass er überhaupt nicht aussieht, wie Stu. Johnny Depp erkennt man in Kevin Smiths Film Yoga Hosers, den er 2016 zusammen mit seiner Tochter drehte, ebenfalls kaum wieder. So könnte Matthew Lillard Teil des Ensembles werden und fiele nicht einmal auf.
Für mich geht es nicht wirklich darum, Stu wiederzusehen, ich würde ebenso die Vorstellung mögen, die Originalschauspieler in neuen Rollen zu sehen.
Ich meine, Jamie Lee Curtis spielt eine andere Art der Laurie Strode in Halloween H20, als in der neuen Trilogie. Sicher, es ist dieselbe Rolle in einer anderen Timeline, und doch verleiht sie Laurie Strode in jeder Timeline eine andere Facette.  Warum also nicht etwas ähnliches bei Scream versuchen?
Und vor allem, warum es den Fans im ersten Moment sagen?
Ich fände es super, wenn wir einen neuen Mörder hätten, den keiner kennt, der sich eine Art Pseudonym gibt und im Abspann sehen wir dann Schauspieler XY alias Matthew Lillard. Die alte Hauptfigur kehre zurück als neue. Mir würde es gefallen. Das Internet würde ausrasten.
Und ja, ich weiß, ein paar Leute würden solche Ideen komplett ablehnen. Aber hey, dann sollen die sich was eigenes ausdenken.

Mein Fazit:

Lösen wir uns von der Vorstellung, Stu wiederzusehen, denn wir brauchen nicht wirklich ihn und seine Rolle, sondern eher Mathew Lillard, dem wir es verdanken, dass seine Rolle immer noch sehenswert ist.
Mathew Lillard kann uns genauso gut eine neue Rolle und Facette von sich im Scream-Universum schenken. Vielleicht jemand, der nicht von einem schweren Röhrenfernseher erschlagen wird und dann auch mal mehrere Teile hintereinander mitspielen könnte.
Ich freue mich auf Scream 6 und hoffe auf ein Wiedersehen.

Bis zum nächsten Mal …

The One where she reviews the finale – Das Serienende von Friends – Wurde es den Charakteren gerecht?

Copyright: Pola Swanson

Das erste Thema für einen neuen Blog zu gestalten ist immer eine Herausforderung. Genau aus diesem Grund wollte ich in meiner Wohlfühlzone bleiben und habe mich für eine Fernsehserie entschieden, auf die ich zum ersten Mal Ende der 90er Jahre aufmerksam wurde. Es wird keinen überraschen, wenn ich hierbei von Friends spreche. Schließlich hat die Serie gerade in den letzten Jahren ein phänomenales Cult-Following ausgelöst, weshalb es im letzten Jahr dann auch zur großen Reunion kam. Dabei ging es weniger um ein Reboot der Originalserie, der Fokus lag eher auf dem Austausch gemeinsamer Erinnerungen.

Friends gehört zum Sitcom-Genre und wurde von 1994-2004 in insgesamt 10 Staffeln abgedreht. Laut Wikipedia kam die Serie auf unglaubliche 236 Episoden (https://de.wikipedia.org/wiki/Friends). Neben der Mutterserie gab es sogar das kurzweilige Spin-off Joey, mit Matt LeBlanc, der darin die allseits beliebte Rolle Joey Tribbiani weiter verkörpert. Diese Serie knüpfte jedoch nicht mehr an den Erfolg der Mutterserie an und wurde nach 2 Staffeln abgesetzt (https://de.wikipedia.org/wiki/Joey_(Fernsehserie)).

So viel zu den Fakten, lasst mich jetzt kurz in Erinnerungen schwelgen.
Soweit ich mich erinnere, kam ich mit Friends zum ersten Mal in Berührung, als ich auf die Austrahlung einer Folge von Sabrina – Total verhext gewartet habe und stattdessen diese für mich neue Sendung gesendet wurde. Ich erinnere mich nicht mehr direkt an mein Alter zu diesem Zeitpunkt, ich weiß nur noch, dass ich mich furchtbar geärgert habe, weil ich ein großer Sabrina Fan gewesen bin und die Serie dann nicht ausgestrahlt wurde (sie wurde nicht komplett eingestellt, aber damals hat man die Sendeplätze noch deutlich fluktuierender gestaltet). Aus diesem Grund mochte ich die neue Serie schon aus Prinzip nicht. Und das würde auch so bleiben, versprach ich mir selbst.

Nun, bis ich nach nur einer Folge zum Fan rekrutiert wurde.
Tatsächlich gehört Friends neben einigen anderen Serien noch bis heute zu meinen absoluten Lieblingen. Ich schaue die Serie jährlich, manchmal mehrmals. Den ersten Friends-Marathon habe ich um das Jahr 2008 gemacht, als ich meine DVD Sammlung endlich komplett hatte. Damals hieß es noch, wer zu viele Serien schaut besäße kein Leben, heute ist Bingen zum neuen Hobby geworden … tja, da war ich wohl Trendsetter… 😀

So oder so, ich blieb der Serie all die kommenden Jahre treu und verpasste auch nicht das große Finale, was in Deutschland im Jahr 2005 auf Pro7 ausgestrahlt wurde. Friends war das erste Serienfinale einer Sendung, die ich nicht nur lange verfolgte, sondern auch gerne mochte. Während ich andere Serien mit der Zeit oft schlechter fand und nicht mehr gerne sah, gehörte Friends bis zum letzten Cut! zu meinen All Time Favourites. Dementsprechend traurig war ich auch, als die letzte Szene über den Bildschirm flatterte.

Es gibt eine Menge, was man über Friends und seine letzte Staffel sagen kann. Eine akkurate Review würde Bücher füllen.
Genau aus diesem Grund möchte ich mich bei meinem ersten Beitrag auf das Serienfinale beschränken. Besser noch, auf die Figurenentwicklung des Finales. Haben alle Charaktere meine Erwartungen erfüllt? Bin ich zufrieden und verlasse sie Sendung mit einem zuversichtlichen Blick in die Zukunft?

Eins vorweg: Ich weiß, die Zeiten haben sich geändert und Serien mit einer gewissen Jahreszahl auf dem Buckel ist nicht mehr wirklich mit den heutigen Standards zu vergleichen.  Das sollte jedem bewusst sein, bei Serien, die über 20 Jahre alt sind – und der Friends Pilot geht sogar langsam auf die 30 zu. Also … Ruhe bewahren. Ich beurteile die Charaktere in dieser Rezension nur nach den Charaktervorgaben der Originalserie.

Der Inhalt des Finales ist einfach erklärt. Rachel hat ein Jobangebot aus Paris erhalten und ist drauf und dran, alles und jeden in New York hinter sich zu lassen. Auch ihre Freunde. Und vor allem Ross. Derweil entdeckt dieser zum wiederholten Male seine Gefühle für Rachel und möchte sie aufhalten nach Frankreich zu ziehen. Phoebe, die ohnehin immer der Meinung war, das beide zusammengehören, hilft ihm dabei und gemeinsam versuchen sie, Rachel davon abzuhalten, in den Flieger zu steigen, um ihr neues Leben zu beginnen.
Im selben Atemzug liegt Erica, die Frau, von der Monica und Chandler ein Baby adoptieren wollen, in den Wehen. Am Ende kommt es hier zu einer unerwarteten Wendung, denn Erica bekommt nicht nur ein, sondern gleich ein zweites Baby. Und Joey … nun, der tut sich schwer mit all den Änderungen.

Ein Finale zu schreiben ist immer schwierig. Man muss alle roten Fäden zusammenführen, die Charaktere mit Würde gehen lassen und den Zuschauer trotzdem unterhalten, obschon jeder weiß, dass es keinen Cliffhanger oder weitere Erklärungen mehr geben wird. Ich finde, dass Friends das eigentlich ganz gut hinbekommen hat. Am Ende blieb kein Auge trocken. Weder bei den Darstellern noch bei den Zuschauern. Daran erkennt man, wie viel Leidenschaft die Schauspieler in die Figuren steckten.
Aber am besten beschreiben wir das Finale der Charakter im Einzelnen.
Fangen wir an mit…

Phoebe:

Eine überaus große Rolle spielt Phoebe im Finale nicht. Sie hatte keine richtig eigene Geschichte, dennoch bekam sie eine angemessene Screen Time. Wenige Folgen zuvor heiratete Phoebe ihren seelenverwandten Mike, der auch im Finale noch ein letztes Mal zu sehen ist. Beide führen eine harmonische Beziehung und Phoebe hat das Gefühl, endlich im Leben angekommen zu sein. Für ihren Charakter wurden am Ende keine unnötigen Skandale oder Probleme mehr eingeführt, was ich gut finde, denn das hätte nur zu unnötigem Stress geführt. Stattdessen füllt sie hier die Rolle der besten Freundin aus, deren Ziel es ist, dass all ihre Freunde genau so glücklich sind wie sie und Mike.
Meines Erachtens ist Phoebes Charakter in einer sehr guten Art und Weise zu Ende geführt worden. Ein letztes Mal werden wir Zeuge, wie sie in ihrer erfrischend ehrlichen Art versucht, ihre beiden besten Freunde zusammen zu bringen. Schon während der 8. und 9. Staffel, als Ross und Rachel ihre Tochter Emma willkommen heißen, fragt sie Ross mehrmals, warum es zwischen ihm und Rachel nicht funktioniert. Deshalb ist es nur verständlich, dass sie Ross nun erneut drängt, endlich Klarschiff zu machen, bevor Rachel für immer fort ist.
Phoebe brauchte am Ende keine eigene Geschichte mehr, denn ihre Storyline hatte einen schönen Abschluss in Form eines Neuanfangs, als man Zeuge ihrer doch sehr romantisch chaotischen Hochzeit inmitten eines Blizzards wurde. Wir wissen durch vorangegangene Episoden, dass sie insgeheim von einem kleinen Haus in der Vorstadt und einer Familienkutsche träumt, mit dem sie die Kinder zum Sport fährt. Im Klartext eine Familienstruktur, die sie selbst nie erleben durfte. Und genau deshalb können wir davon ausgehen, dass Phoebes Zukunft wenigstens zum Teil ähnlich aussehen wird.
Ich persönlich mag den Charakter von Phoebe. Sie ist stets brutal ehrlich zu ihren Freunden und zeigt ihnen ihr Verhalten deutlich auf – auch wenn sie oft ein bisschen gemein oder schnippisch rüberkommen kann. Dass sie auch im Finale einen Part übernimmt, der ihre Freunde auf den rechten Weg führen soll, zeigt klar, wie sie in der Gruppe wahrgenommen wird. Als diejenige, die ihnen die unangenehmen Dinge des Lebens aufzeigt. Sie sagt zu Ross: Geh, oder du verlierst sie! Sei mutig oder du bereust es. Am Ende hat sie selbst einen großen Schritt in ihrem Leben gemacht und bereut es nicht, nun mit Mike eine eigene Familie gründen zu können.
Phoebes Finale ist ein gutes Ende und es gibt Hoffnung, dass der Charakter in der Serienrealität eine wunderbare Zukunft vor sich hat. Vielleicht eine, die nicht immer einfach ist, aber eine, die sie meistern wird. Denn mal ehrlich, Mike ist der perfekte Mann für sie. Er versteht ihre Verrücktheit, spielt ihr Spiel mit, ist aber auf der gleichen Augenhöhe wie sie und beide zeigen einander ihre Grenzen auf. Ich war mit Phoebe sehr zufrieden, auch wenn ihre Rolle in dieser Folge nicht übermäßig viel mit einer eigenen Geschichte vertreten war.

Monica und Chandler

Wer hätte am Anfang der Serie einmal geglaubt, dass Monica und Chandler das Vorzeigepaar der Serie wird? Die Macher sicher nicht, denn ursprünglich war diese Paarung nicht geplant. Zum Glück haben sie jedoch am berühmten Go with the Flow orientiert, die beiden Figuren sich austesten lassen … und gemerkt, wie perfekt sie zueinander passen.
Ich möchte nicht wirklich auf ihre ganze Hintergrundgeschichte eingehen, denn darum geht es hier nicht. Lieber spulen wir bis zum Ende vor.
Nachdem Monica und Chandler keine eigenen Kinder bekommen konnten, beschlossen sie eins zu adoptieren. Erica, ein doch eher schlichtes Mädchen suchte sie nach einem eher chaotischen Zufall als ihre Adoptiveltern aus, was Mondler an ihr Ziel brachte, endlich Eltern sein zu dürfen.
Gerade für Monica, deren Traum es seit frühster Kindheit war, Ehefrau und Mutter zu sein und deshalb sogar ihre Beziehung mit Richard löste, ist das der Hauptgewinn. Es ist schön, dass die Macher Monica diesen Wunsch erfüllt haben. Sie liebt es, Menschen zu bemuttern – und dass am Ende Zwillinge dabei herauskommen, ist die Kirsche auf dem Eisbecher.
Auch für Chandler, der mit Monica endlich seine eigene eher schwierige Kindheit überwinden konnte, kann (nachdem er sich so lange um Joey kümmerte) endlich zeigen, was in ihm steckt und das er ein Familienmensch ist. Chandler leidet unter einer Menge Unsicherheit, doch kann man sagen, dass er stets zu seinen Freunden steht und ein fabelhafter Vater sein wird. Neben den Kindern hat er auch endlich einen Job gefunden, den er liebt und da beide nach dem Serienfinale in die Vorstadt ziehen, kann man bei ihrer Familie schon beinahe von einem bilderbuchartigem Ende sprechen. Could he BE more happy?
Sowohl Monica als auch Chandler haben den Jackpot gewonnen. Für ihre Charaktere ist das Ende voller Zuversicht und man merkt als Zuschauer deutlich, wie froh man für die beiden ist. Beide sind glücklich und sehen der Zukunft freudig entgegen.
Im Finale haben die beiden neben Ross und Rachel eine der Hauptgeschichten gespielt, und ich muss sagen, der Einsatz hat sich gelohnt. Mir gefiel die Storyline, denn sie beendete eine lange Reise voller Wünsche, die vorher oft zu Herzschmerz führte, positiv. Es ist das, was beide Charaktere sich im Laufe der Serie gewünscht haben.

Ross und Rachel

Ich weiß, ich weiß … Wenn man in einem Fandom ist, dann kriegt man unweigerlich eine Menge Meinungen zu Themen wie z.B. Liebeskarussells mit. Ross ist keinesfalls der beliebteste Charaktere in der Friends – Welt, dies zeigt sich rasch, wenn man hin und wieder die Kommentarsektion besucht.
Um Ross‘ Beliebtheit geht es hier aber nicht. Ich beschäftige mich mit der Frage, ob die Geschichten der Hauptcharaktere zum Ende abgerundet wirkten. Und meiner Meinung nach passierte das bei Ross und Rachel.
Denn unweigerlich haben gerade die beiden die gesamte Serie lang Höhen und Tiefen erlebt, wie kaum andere Charaktere. Die Figuren wurden stets mit großer Sorgfalt behandelt und regelmäßig mit interessanten Themen bespielt. Und genau das spiegelt ihre Endgeschichte wider. Anders als bei Monica und Chandler, die zwar auch Dispute miteinander hatten aber sich doch durch alles durchkämpften, gaben Rachel und Ross oft zu schnell auf. Das führte zwar zu interessanten Storylines, aber auch zu jeder Menge Drama. Man merkte, dass sie nie voneinander loskamen, dennoch schafften sie es selten, über eine längere Zeit zusammenzubleiben, nachdem Ross‘ Eifersucht sie in der 3. Staffel zum ersten Mal trennte (Hatten sie denn nun eine Beziehungspause oder nicht?).
Nichtsdestotrotz lese ich immer wieder, dass sich Leute beschweren, Ross hätte Rachel von ihrem Traum aufgehalten, nach Paris zu ziehen. Stimmt das?
Nun, ich sehe es so, in 10 Jahren Friends redete Rachael zwar oft von ihrem Traum, in der Modebranche groß rauszukommen, aber um ehrlich zu sein, hatte sie nie wirklich die größten Ambitionen im Ausland zu arbeiten. Jedenfalls kam dieser Wunsch niemals wirklich deutlich zum Vorschein. Sicher, in einer Sitcom wäre so etwas unmöglich, da der Charakter sonst aus der Serie fiele, allerdings gab es nie Folgen, wo sie eine Auswanderung thematisierte. Nicht, wie z.B. Onkel Jesse in Full House, der andauernd davon sprach auf Tour zu gehen oder ein großer Musikstar zu werden.  Er hat es sogar bis Japan geschafft.

Tatsächlich hegte Rachel im Grunde bis zum Ende Zweifel, ob sie diesen Schritt wagen sollte. Sie freute sich zwar auf einen Neuanfang aber so wirklich habe ich es ihr nicht abgekauft. Von Anfang an war mir eigentlich klar, dass sie nicht fahren wird. Ich finde, Jennifer Aniston spielte die Figur , als sei Rachel innerlich zerrissen, ob dies wirklich die richtige Entscheidung sei. Auch, weil eine so große Veränderung natürlich auch Emmas Leben nachträglich beeinflusst. Seien wir ehrlich, Rachel entscheidet als Mutter nicht nur für sich selbst, auch für ihre Tochter Emma. Man kann Ross meiner Meinung nach nicht unbedingt puren Egoismus vorwerfen, schließlich ist Emma auch seine Tochter. Sie regelmäßig sehen zu wollen, finde ich nachvollziehbar. Nicht umsonst treffen sich Paare oft vor Gericht, wenn es um die Frage geht, wohin der Elternteil umziehen möchte, der die Kinder großzieht. Ross hat hier von vornherein gesagt, dass es für ihn okay wäre, wenn Emma den Kontinent wechselt. Was erstaunlich ist, da er mit Sicherheit nicht genug Geld hat, um jedes Wochenende mal eben nach Paris zu fliegen, um sie zu sehen. Klar, Geld spielt bei Sitcoms meist nur eine untergeordnete Rolle, aber ganz außer Acht lassen kann man es nicht. Und man darf ebenso nicht vergessen, dass er damals wegen Ben unbedingt in New York bleiben wollte, als es darum ging, zu Emily nach London zu ziehen. Aber das ist ein anderes Thema – auch weil die Serie da natürlich noch nicht vorbei war und man Ross‘ Charakter brauchte.
Genau wie man es in Hollywood erwartet, erkennt Rachel am Ende doch, wie sehr ihr an Ross liegt und dass sie nicht fliegen möchte. Gerade, als Ross alles verloren glaubte, kehrt sie zurück. Und damit schließt sich das Kapitel Ross und Rachel mit einem Happyend.
Okay, vorne weg: Ich finde, ihre eilige Zusammenkunft ist genau das – übereilt. In Staffel 10 gibt es 18 Episoden und nur wenige Folgen zuvor drehte sich noch alles um Rachel/Joey und Ross/Charlie. Sicher, Ross hatte von Anfang an Probleme mit Joey und Rachel. Dennoch habe ich nicht das Gefühl vermittelt bekommen, dass dies von einer heimlichen Liebelei kommt, sondern eher, weil Ross grundsätzlich Probleme damit hatte, dass sein bester Freund seine Exfreundin und die Mutter seiner Tochter datet. Ich glaube kaum, dass – wäre eine 11 Staffel erschienen – Ross und Rachel am Ende der 10. Staffel ein Paar geworden wären. Dass Mondler Eltern werden oder Phoebe heiratet, das war die logische Schlussfolgerung vorangegangener Geschichten. Der Babywunsch von Monica und Chandler beschäftigte sie seit Ende der 8. Staffel und war ein großer Faktor in Staffel 9 und 10. Auch Phoebes Beziehung zu Mike verfolgte man seit Staffel 9. Klar, das Auf und Ab bei Ross und Rachel kannten wir Zuschauer seit Folge 1. Trotzdem merkte man, dass die Geschichte künstlich beschleunigt wurde.
Natürlich kann es viele Gründe für die Eile geben. Die Staffel war deutlich kürzer als die vorangegangenen und deshalb mussten erst die Cliffhanger von Staffel 9 aufgearbeitet werden. Nichtsdestotrotz wirkt das Ende der beiden gehetzt. Natürlich liegt der Vorteil hierbei, dass man durch ihre sehr intensive Vorgeschichte mit der Eile durchkommt. Die beiden wirkten immer gehetzt, was ihre Beziehung angeht. Sie waren auch immer eng miteinander verbunden, nicht zuletzt durch Emma. Es überrascht also nicht, dass sie auch hier einen Zahn zulegen. Auch in Staffel 4 und 5 wo es um Emily und die Hochzeit ging oder in Staffel 6 mit der Annullierung der Vegas Ehe, waren die beiden immer sehr schnell von 0 auf 100 und wieder zurück auf 0.
Dass Ross und Rachel also wieder „plötzlich“ romantische Gefühle entwickeln, ist nicht ungewöhnlich und meist Thema jeder Staffel ab einem gewissen Punkt.
Dennoch wäre es schöner gewesen, hätte man die Geschichte etwas früher angefangen. An sich haben beide ein zufriedenstellendes Ende bekommen, denn sie sind endlich zusammen. Sicher, vielleicht wäre es ebenso interessant und konsequent gewesen, wenn Rachel auch beruflich den Schritt nach vorn gewagt hätte. Aber ich glaube im Jahr 2004, ergo zum Ende der Serie, hätte dieses Ende nicht wirklich gefallen. Damals wollte man Ross und Rachel um jeden Preis.
Das Finale der beiden Charaktere stimmt mich im Großen und Ganzen aber zufrieden. Ja, eventuell wäre eine etwas andere Ausgangslage wünschenswert gewesen. Vor allem weil es ein wenig so aussieht, als werfe Rachel ihre berufliche Karriere für einen Mann weg, von dem sie sich letztlich regelmäßig wieder trennt.
Aber wie gesagt, für die Erwartung an das 2004er Finale haben sie ein zufriedenes Ende erhalten, das zeigt, dass beiden eine gemeinsame Zukunft offensteht. Und vielleicht kommt Ross ja auch nach Paris mit? Schließlich könnte er ja auch einen englischen Studiengang an der Sorbonne unterrichten.
Auf jeden Fall hat mich ihre Geschichte bis zum Ende mitfiebern lassen. Die Story lieferte eine Menge lustiger Sitcom-Momente, viele traurige Szenen und auch eine gehörige Portion Spannung. Enttäuschung kam beim Sehen nicht für mich auf, weshalb ich es als gelungen betrachte.

Joey

Ach ja, das Sorgenkind.
Es gibt Gründe, warum ich mit Joey bis zu Schluss gewartet habe. Und sie alle haben mit meiner sehr großen Enttäuschung zu tun, die mit seinem Ende einhergeht.
Alles in Allem mag ich das Friends-Finale. Ich habe eine Menge Serien in meinem Leben gesehen und damit auch eine Vielzahl an Finalen. Friends gehörte da für mich zu den besseren Enden. Und doch … Joeys Abschied lässt mich mit einem faden Beigeschmack zurück.
Erst einmal: Ja, es gibt ein Spin-Off von Friends. Und in diesem Spin-Off geht es um Joey. Unser lieber Joseph zieht dabei nach L.A. und möchte als ernstgenommener Schauspieler durchstarten. Übersetzt heißt das, er beginnt einen Neuanfang, ist dabei sein Leben zu ändern. Obschon er die gesamte 10. Staffel unter den Veränderungen leidet. Hätte man diese innere Zerrissenheit ins Finale einbinden können? Joeys Frage, ob auch er einen Neuanfang benötigt? Vielleicht erste Gedanken, ob ein Umzug von Vorteil wäre?
Kurze Antwort: JA!
Hat man es getan?
Nein.
Ich weiß nicht, wann das Joey Spin-Off grünes Licht erhalten hat, dennoch muss man zum Zeitpunkt des Finales doch wenigstens mit dem Gedanken gespielt haben, Joeys Geschichte weiterzuspinnen. Und egal, ob man sich letztlich für ein Spin-Off entschieden hätte oder nicht, es bräche sich doch keiner einen Zacken ab, hätte man ihm wenigstens eine Zukunftsperspektive in Aussicht gestellt. Schön, dass er wieder ein Huhn und eine Ente pflegen durfte, aber mal ehrlich, was sollte das? Zumal die beiden Tiere damals nicht einfach nur sang- und klanglos von der Bildfläche verschwanden, sondern Joey anscheinend nicht einmal mitbekam, dass die beiden krank waren. Sonst hätte Chandler sie sicher nicht auf die „Farm“ gebracht.
Dabei gab es auch während der 10. Staffel eine Menge Möglichkeiten, Joeys Charakter voranzubringen.
Estelle, seine Agentin, starb nur wenige Folgen vorher. Man hätte das nutzen können, ihn mit einem neuen Agenten erfolgreicher schreiben können. Vielleicht ein Angebot aus L.A.? Hey, warum nicht, schließlich geht’s doch um einen Umzug nach Los Angeles in seinem neuen Spin-Off. Ebenso gut hätte Estelle ihm Geld vererben können.  Vielleicht wäre er damit mal nach Italien gefahren, hätte seine Wurzeln erkundet oder vielleicht sogar eine Pizzeria geerbt. Für das Spin-Off hätte man ja sagen können, sie sei pleite gegangen, falls dieses Figurenfinale die geplante Joey Serie irgendwie gefährdet hätte. Oder aber mit dieser Idee das Spin-Off aufbauen.
Natürlich gab es auch die Möglichkeit, ihm eine Frau an die Seite zu geben, die seine Seelenverwandte hätte sein können. Vielleicht in Form einer neuen Mitbewohnerin, jetzt, wo Rachel nach Paris wollte.
Mir fallen gerade eine Menge möglicher Storylines ein, umso trauriger, dass Joeys Figur so in den Hintergrund geriet. Vor allem, weil sie gerade mit ihm ein Spin-Off wollten. Der Charakter hätte demnach interessanter gemacht werden müssen, damit die Zuschauer sagen: Hey, von dem wollen wir mehr sehen!

Stattdessen bekommt Joes überhaupt nichts, außer ein paar Lacher, die erneut auf seine infantile Art abzielen. Man reduziert seinen Charakter , dabei ist er in der Serie ein angesehener Soap-Schauspieler. Und selbst wenn man hier hineingrätscht, so gab es die Möglichkeit, ihn sich fragen zu lassen, ob er beruflich in die richtige Richtung geht (und damit eine hübsche Brücke nach L.A. bauen können).
Von allen 6 Figuren ist Joey im Finale mit Abstand am wenigsten bespielt worden. Ich finde das traurig, weil es durchaus Chancen gab, ihn einzubinden. Phoebe hilft Ross … und Joey? Er malt ein Plakat. Und das ist nicht einmal schön, sondern er setzt sich in die Farbe wie ein 6-Jähriger. Inwiefern macht das Spaß auf ein Spin-Off?
Joeys Ende enttäuscht mich jedes Mal. Vor allem, weil es 18 Folgen lang die Möglichkeit gab, ihm einen passenden Abschluss zu offerieren. Genau wie bei Phoebe, die vielleicht im Finale keine eigene Geschichte hatte, aber trotzdem vorher zu einem vernünftigen Ende fand.

Fazit:

Wie bereits erwähnt, mag ich das Friends-Finale sehr. Beide Hauptgeschichten sind spannend, emotional und witzig. Ebenso gefallen mir bei 5 von 6 Charakteren ihre Endgeschichten – auch wenn eine Figurenentwicklung schon früher abgeschlossen wurde.
Sicher, es gibt ein paar Fragezeichen bei Ross und Rachel, aber seien wir positiv und sagen, Rachels möglicher Abschied war das Bisschen, was ihre Liebe brauchte, um endlich für immer zu halten.
Lediglich bei Joey wurde ich enttäuscht zurückgelassen, da selbst Gunther ein besseres Ende vorwies, Joey aber nur halbherzig behandelt wurde. Es gab weder auf beruflicher noch auf privater Ebene irgendeinen Lichtblick, nicht einmal einen Abschluss oder eine Idee, was er in Zukunft machen könnte. Dabei hätte eine einzelne kleine Szene, wo er einen wichtigen Anruf bekommt, schon viel ausgemacht. Man brauchte dazu nicht einmal eine richtige Storyline und vor allem benötigt ein Anruf kaum Zeit. In nicht einmal zwei Minuten hätte man einen Anruf mit möglichem Jobangebot in L.A. durchaus abdrehen können (im Finale gab es für ihn ohnehin nicht wirklich was zu tun, da hätte man auch das hineinschreiben können).
Nichtsdestotrotz habe ich bei allen Serienfinalen, die ich in meinem Leben sah, eins gelernt: Man kann nicht alles haben. 90% Zufriedenheit ist nicht schlecht. Qualitativ betrachtet gehört Friends zu den Besten. Und das nicht nur in ihrem Finale, sondern vor allem in ihrer gesamten Sendezeit. Mit dem Gedanken würde ich diesen Artikel abschließen.

Bis zum nächsten Mal!

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